Anhang,
der Netzhaut und der Sehbahn, die wir als Chemismen aufzufassen pflegen. Die Rede, dass das Auge oder die Netzhaut Farben empfinde, ist ungenau. Während der Vorgänge in der Netzhaut empfinden wir wahrscheinlich gar nichts, erst nach einer zwar kleinen, aber messbaren Zeit folgen die Chemismen in der Umgebung der Fissura calcarina, mit denen das Sehen gleichzeitig ist. Hiernach ist die Behauptung Schopenhauers und Späterer, Farbe sei die Thätigkeit der Retina, zu corrigiren. Anatomische und physiologische Untersuchungen können zwar unser Wissen von den correspondirenden Vorgängen fördern, aber an der psychologischen Farbenlehre können sie nichts ändern. Versuche am Menschen sind mit Vorsicht zu verwerthen. Stimmen ihre Ergebnisse mit der psychologischen Farbenlehre überein, so bringen sie nichts Neues, mögen aber willkommen sein. Stimmen sie nicht überein, so hat man anzunehmen, dass durch den Eingriff pathologische Veränderungen der correspondirenden Vorgänge bewirkt worden seien. Ein physiologischer Versuch kann doch nur darin bestehen, dass die der Empfindung dienenden Theile unter ungewöhnliche Bedingungen gebracht werden, und es versteht sich, dass die Empfindung dann keine normale Empfindung mehr zu sein braucht. Am wichtigsten sind die geforderten(complementären) Farben. Entdeckt sie ein gesunder Mensch nicht zufällig, so nimmt er sie während seines ganzen Lebens nicht wahr. Glücklicherweise entstehen sie nur ausnahmweise, bei Ueberreizung des Sehorgans, denn sonst
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