Teil eines Werkes 
Bd. 4 (1904) Schopenhauer
Entstehung
Seite
281
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Bemerkungen zur Farbenlehre.

würden wir uns jämmerlich befinden.*) Sie gehören also im weiteren Sinne zu den pathologischen Er­scheinungen, und wenn die Beobachtungen über sie mit der psychologischen Farbenlehre nicht stimmten, so würde es nicht viel bedeuten. Um so erfreulicher ist es, dass die geforderten Farben die Psychologische Farbenlehre durchaus bestätigen. Schopenhauer hat gerade auf sie(Psychologisches und Physiologisches nicht streng scheidend) seine Farbenlehre begründet, und es mag wohl sein, dass man über die Frage, welche Farbentöne Paare bilden, gerade durch die ge­forderten Farben Aufschluss erhält. Die von Schopen­hauer gewählten Ausdrücke, dass bei Schwarz, Grau, Weiss die Thätigkeit der Retina intensiv getheilt sei, dass sie bei den eigentlichen Farben qualitativ getheilt sei, sind eigentlich nur Umschreibungen der Thatsachen und bringen uns nicht weiter. Bedenklicher als die Heranziehung der geforderten Farben wäre die der eigentlichen Blendungserscheinungen(z. B. grüne Let­tern, wenn beim Lesen die Sonne aufs Papier scheint, ein rothes Coupe, wenn man beim Eisenbahnfahren auf Schneefelder gesehen hat). Noch weniger Förderung ist von vorübergehenden Vergiftungen des Organismus oder organischen Erkrankungen zu erwarten.

*) Das Auftreten der geforderten Farben muss individuell sehr verschieden sein. Obwohl ich seit 30 Jahren auf sie achte, sehe ich sie nur mit Mühe und unvollständig. Lese ich die Schilderungen Goethes und besonders die Schopenhauers, be­trachte ich manche Bilder(ich denke besonders an bestimmte Bilder Böcklins und manche moderneGemälde), so muss ich

Möbius, Werke IV. 19