Vorwort.
Gerade jetzt, wo durch die Herausgabe des Briefwechsels zwischen Luzzatto und Rappoport, die von letzterm abgewehrte Verunglimpfung des Abraham Ibn Esra wieder in das Gedächtniss gerufen wird, gereicht es mir zu einer. besonderen Befriedigung, in einem reinen, ungetrübten Spiegelbilde die ganze Herrlichkeit seiner Seele vorzuführen. Es geschieht dieses durch die Veröffentlichung seines Diwans. Wie könnte man einen Menscheu genauer kennen lernen, als wenn man Gelegenheit hat, ihn in den verschiedensten
Lebensbeziehungen, in seinem Verkehr mit Freunden, in seinen häuslichen Verhältnissen, in seiner Stellung zu Gott und seiner heiligen Lehre kennen zu lernen. Für seinen jovialen, kindlichheitern Verkehr mit seinen Freunden, verweise ich auf die Correspondenz(No. 18) zwischen ihm und Josef ibn Zaddik, der es sich gewiss nicht hat träumen lassen, dass er nach mehr denn 700
Jahren noch als ein Schelm sich wird ertappen lassen. Einen launigen Ton schlägt er auch,(No 196), im Eingange des Gedichtes an Josef b. Amran an. In ernsterm Tone gehalten ist No. 195, aber der Schluss wohl nicht ohne angenommene Grandezza, und gegen Samuel ibn Gami’ sehen wir(p. 144 f.) bei aller Verehrung, die ihm gezollt wird, eine spielende Weise angewendet. In Betreff seiner häuslichen Verhältnisse wird
es. uns beschieden, mit schmerzlicher Bewunderung einen Blick in
die Tiefen seines aufgewühlten Seelenlebens zu thun. Es handelt sich um den ergreifenden Weheruf— No. 203 und 205, wozu der Nachtrag zu vergleichen ist— beim Uebertritt seines Sohnes zum Islam. Wir glauben einen Laokoon vor uns zu sehen, dessen Seelenadel seinen Schmerz verklärt. Abgesehen von einer Reihe von unterhaltenden Räthselaufgaben, die wohl seiner Jugend angehören und bei einem Manne’ von arabischer Bildung nicht fehlen dürfen, finden wir fast ausschliesslich synagogale Poesien, denen selbst seine Alle