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Hülfsquellen verſiegen, wenn alle meine Unterhandlungen ſich zerſchlagen, wenn alle Umſtände gegen mich ſind, dann will ich lieber mit Ehren untergehen, als ohne Ruhm und Anſehen leben. Ich habe mir einen Point d'honneur daraus gemacht, mehr als irgend einer meiner Vorfahren zur Erhöhung meines Hauſes beigetragen zu haben; ich habe eine bedeutende Rolle unter den gekrönten Häuptern Europas geſpielt. Das ſind ebenſoviele perſönliche Ver pflichtungen, die mich binden, und ich bin entſchloſſen, ſie auf Koſten meines Lebens und meines Glückes zu erfüllen. Sie, lieber Podewils, denken wie ein rechtſchaffener Mann, und wenn ich Podewils wäre, dächte ich ebenſo wie Sie; aber ich habe den Rubikon überſchritten, und ich will entweder meine Macht behaupten oder ſie ſoll zu Grunde gehen und der Preußiſche Name mit mir begraben werden. Wenn der Feind uns angreift, werden wir ent weder ſiegen, oder wir werden Alle vor ſeinen Batterien ſterben.“
Spricht in dieſen wahrhaft Königlichen Worten die tiefe Empfindung, das warme Gefühl, der ſtolze Geiſt, ſo herrſcht in dem gleichzeitigen Briefe an Fürſt Leopold der klare Gedanke, die kühle Erwägung, der ſchnelle Entſchluß. Es heißt da:
„Meinen Nachrichten zufolge ziehen ſich die Sächſiſchen Auxiliartruppen in Böhmen bei Jung-Bunzlau zuſammen, und weil die Oeſterreicher von Königgrätz auch wegmarſchiren,... ſo kann ich nicht anders judiciren, als daß das Oeſterreichiſche ganze Corps d’Armee mit den Sachſen durch die Ecke von der Oberlaufig*) werde durchbrechen und in Schleſien kommen wollen..... Wenn die Oeſterreicher marſchiren werden, will ich ſie vorerſt marſchiren laſſen; ſobald ich fie aber in der Lauſitz und im Begriff weiter zu marſchiren weiß, ſo werde ich von hier aus auch dahin marſchiren, um ſie aus dem Lande hinauszuſchlagen, ſie durch die Lauſitz zurückzutreiben, ihnen ihre Magazine zu nehmen und ſo ferner gegen Dresden gerade nach Meißen zu pouſſiren. Wenn dieſes geſchieht, ſo werden Ew. Liebden mit Dero unter: habendem Korps alsdann auf Wittenberg gehen und dieſen Ort mit aller Kommodität nehmen, ſodann aber auf Torgau zu mir ſtoßen, um alsdann zuſammen weiter zu thun, was wir den Umſtänden nach nöthig finden werden.“
Die Analogie dieſes Vertheidigungsplanes mit dem erſten vom Frühjahr 1741 liegt auf der Hand. Hier wie dort das Suchen der Entſcheidung durch die Schlacht und die Vereinigung der beiden Preußiſchen Armeen an der Elbe, um dann, je nach Lage der Verhältniſſe, weitere Entſchlüſſe zu faſſen. Nur iſt in dem zweiten Entwurf ſchon der Vereinigungspunkt ſelbſt, Dresden bezw. Meißen , ins Auge gefaßt.
Der Feldzug ſollte aber auch im Sommer des Jahres 1745 nicht ganz in der Weiſe verlaufen, wie er geplant war. Faſt vier Wochen blieb der