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Die Vertheidigungspläne Friedrichs des Großen in den beiden erſten Schleſiſchen Kriegen.
Vortrag, gehalten in der Militäriſchen Geſellſchaft zu Berlin am 24. Januar 1891
A. v. Roeßler,
Major à la suite des 3. Niederſchleſ. Inf. Regts. Nr. 50 und vom Nebenetat des großen Generalſtabes, Lehrer an der Kriegsakademie.
Nachdruck verboten.— Ueberſetzungsrecht vorbehalten. D. Red.
Meine Herren! Nach löblicher Väter Brauch hat ſich heute die Militäriſche Geſellſchaft in feſtlicher Verſammlung vereinigt, um eine Stunde der Erinnerung dem Hohenzollernfürſten zu weihen, dem Preußen ſeine Großmachtſtellung verdankt.
Als König Friedrich am 16. Dezember 1740 an der Spitze ſeiner Armee mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel die Grenzen Schleſiens, oder, wie er ſelbſt ſagt, den Rubikon überſchritt, da war er ſich der Tragweite ſeines Entſchluſſes voll bewußt.
Schon in der erſten Berathung über die neu einzuſchlagende Politik hatten der Miniſter Graf Podewils und der Feldmarſchall Graf Schwerin zwei Wege bezeichnet, auf denen man in den Beſitz Schleſiens gelangen konnte. Der eine Weg führte zur Erneuerung der alten Allianz mit England⸗Hannover, Oeſterreich und Rußland, der andere zur Verbindung mit Frankreich. Im erſten Fall konnte man die Abtretung der Schleſiſchen Herzogthümer als Dank vom Hauſe Habsburg erhoffen, im letzten Fall ſie als Gegenleiſtung, dann freilich mit der Franzöſiſchen Garantie beſchwert, beanſpruchen.
Aber zwiſchen den beiden Wegen lag noch ein dritter, und der war voller Klippen und Gefahren. Wie nun, wenn Frankreich nicht in die dargereichte Hand einſchlug? Und wie, wenn die früheren Bundesgenoſſen ſich vereinigten, um ihre Waffen gegen den Friedensſtörer zu richten, den jungen Preußenkönig, der ſo kühn war, den glimmenden Funken in das Pulverfaß Europa zu werfen?
Dann mußte Friedrich ſich darauf gefaßt machen, entweder in die alte Beſchränkung zurückgetrieben zu werden, oder ſich in harter Abwehr eine