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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten Schlesischen Kriegen : Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 24. Januar 1890 / von A. v. Roeßler
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Selbſtändigleit erkämpfen, groß genug, zwiſchen allen Mächten das Gleich: gewicht zu halten.

Und wenn es richtig iſt, daß die Wahrheit einer politiſchen Stellung erſt in der Entwickelung der Begebenheiten zu Tage tritt ſo lauten die Worte Leopolds v. Ranke in feiner meiſterhaften Klarlegung dieſer Verhältniſſe, ſo müſſen wir heute der göttlichen Vorſehung dankbar ſein, daß ſie den König durch den Lauf der Ereigniſſe dahin führte, den dritten Weg einzuſchlagen. Darin eben lag, wie der Hiſtoriker dramatiſirend fortfährt, die Verwickelung ſeines Lebens, fie war nicht feine Wahl, fie war fein Geſchic. An der großen geſchichtlichen Aufgabe, die dem damaligen Geſchlechte zufiel, in den ſchweren, nicht immer ſiegreichen Kämpfen ſtählten ſich die ſittlichen Kräfte der Nation wie der Armee. Hier war es nicht der Reichthum, die Maſſe materieller Mittel, die Zahl, die in dem Kampfe um Sein oder Nichtſein den endlichen Erfolg errangen, ſondern die Opferwilligkeit des Volles, die Disziplin des Heeres, der ſtarke Wille des Königlichen Feldherrn und die Macht feiner Ge danken. Auf dem harten Boden gemeinſamer Arbeit erwuchs jene Verehrung des Preußenvolkes für ſeinen unvergeßlichen König, die noch Enkel und Enkel kinder antreibt, bei jedem großen Ereigniß vaterländiſcher Geſchichte fein Denk mal zu bekränzen.

Wir Soldaten, und daran ſei am Friedrichstage an dieſer Stelle in erſter Linie gedacht, verdanken den Wendepunkten, an welchen der wechſelvolle Verlauf der Feldzüge die angedeutete Richtung einſchlug, zweierlei, einmal die für alle Zeiten muſtergültigen Vertheidigungsentwürfe und, damit zu­ſammenhängend, das Vorbild eines Feldherrn von faſt unerreichter Willens kraft und Seelengröße.

Bald genug ſollte die Frage geſtellt werden, ob wirklich ein Cäſar den Rubikon überſchritten hätte. Die Beſetzung von Schleſien lief im Januar 1741 raſch und glücklich von ſtatten, die Truppen bezogen dort Winterquartiere, und Friedrich konnte ſich für kurze Zeit nach Berlin zurückbegeben. Kaum aber war er im Februar von Neuem auf dem Kriegsſchauplatze eingetroffen, jo thürmten ſich die Wetterwolken am politiſchen Horizonte auf. Die Unterhand­lungen mit Frankreich zogen ſich in die Länge, Oeſterreich wies jede Ueberein­kunſt ſchroff zurück. Die Diplomaten begannen die Fäden zu jener Allianz zu knüpfen, die am 10. April in Dresden zwiſchen den Oeſterreichiſchen und Sächſiſchen Bevollmächtigten im Beiſein der Geſandten Englands und Ruß­ lands feſtgeſetzt wurde.

Die Büchſe der Pandora iſt geöffnet, ſo ſchrieb, als die Nachricht von dieſen Unterhandlungen aus Petersburg in Berlin einlief, ein Preußiſcher Miniſter an den anderen,wir treten in die furchtbarſte Kriſis, die je über das Haus Brandenburg hereingebrochen.

Am 16. März erhielt Friedrich in Schweidnitz den Bericht ſeines Ge­ſandten am Ruſſiſchen Hofe, und ſchon am 17. trägt ein Kurier das ewig denk­