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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten Schlesischen Kriegen : Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 24. Januar 1890 / von A. v. Roeßler
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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden erſten Schleſiſchen Kriegen.

Vortrag, gehalten in der Militäriſchen Geſellſchaft zu Berlin am 24. Januar 1890

von

A. v. Roeßler, Major A la suite des 3. Niederſchleſ. Inf. Regts. Nr. 50 und vom Nebenetat des großen Generalſtabes, Lehrer an der Kriegsakademie.

(Mit einer Karte.) Nachdruck verboten. Ueberſetzungsrecht vorbehalten.

Meine Herren! Als heute vor 148 Jahren Friedrich der Große zum zweiten Male als regierender Monarch die Wiederkehr ſeines Geburtstags beging, da hatten die Deutſchen Kurfürſten eine Feier ganz eigener Art ver­anſtaltet.

In der alten freien Reichs⸗ und Krönungsſtadt Frankfurt a. M. bewegte ſich an Morgen des 24. Januar 1742 ein glänzender Zug von Fürſten und Staatsmännern mit dem ganzen pomphaften Ceremoniell der farbenprächtigen Rolokozeit vomRömer nach der Bartholomäuslirche, um dort einen Kaiſer zu wählen. Die Wahl fiel einſtimmig auf den Preußiſchen Kandidaten, den Kurfürſten Karl Albert von Bayern .

Schon über Jahr und Tag hatte ſeit dem Tode des letzten Habsburgers die kaiſerloſe Zeit gedauert, bis das Eingreifen des Königs von Preußen in das Ringen der Häuſer Lothringen und Bayern um die Krone zu Gunſten des Wittelsbachers den Ausſchlag gab.

In denſelben Stunden, in welchen bei dem Wahlakte zu Frankfurt a. M. die Preußiſchen Abgeſandten an einem Wendepunkte Deutſcher Geſchichte das entſcheidende Votum abgaben, trabte eine kleine Reiterſchaar Preußiſcher Offiziere in den Engpäſſen des Schleſiſch⸗Böhmiſchen Gebirges auf der ſchneebedeckten hiſtoriſchen Straße von Nachod nach Glatz, voran eine jugendliche Geſtalt in der Uniform des Regiments Garde. Es iſt der dreißigjährige König, der von einer militäriſch⸗diplomatiſchen Reife über Dresden und Prag zu ſeiner Armee zurücklehrt, um die Vorbereitungen zur Ausführung eines gewaltigen Planes

Beiheft z. Mil. Wochenbl. 1891. 5