Anhang.
Eſſai in Form eines Memoires über den Kriegsplau des bennarſtehenden Feldzuges.(Auszug.)
„Ich gehe jetzt dazu über, die Operationen der Franzöſiſchen Armee in Bayern und die der Preußiſchen in Schleſien ins Auge zu faſſen. Hierzu muß man die Sachlage zu Grunde legen, die augenblicklich vorhanden iſt. Der König von Preußen hat gegen ſich 50 000 Oeſterreicher und 20 000 Sachſen. Er iſt nicht ſicher, daß die Sachſen ihn nicht in ſeinem eigenen Staate angreifen. Er muß deshalb ſein Hauptaugenmerk auf ſeine Böhmiſche Grenze richten und zum Angriff wie zur Vertheidigung bereit ſein. Die drohenden Bewegungen der Ruſſen zwingen ihn gleichfalls zur Aufmerkſamkeit und Mäßigung. Alle dieſe Feſſeln nöthigen ihn zur Klugheit und zur Vorſicht, damit er ſtets in der Lage iſt, die Angriffe zu pariren, die man auf ihn richten will.
Der Zeitpunkt, in welchem man einen Feldzug beginnt, iſt eins der Geheimniſſe, welche man nicht vorher beſtimmen kann,— richtig erfaßt, zwingt er den Gegner, ſich nach uns zu richten, und gewährt deshalb die größten Vortheile, ja er entſcheidet oft über den Erfolg des ganzen Krieges.
Es erſcheint deshalb als Grundſatz, daß in dem Augenblick, wo die Oeſterreicher in Böhmen oder Mähren aufmarſchiren, eine Armee von 60 000 Mann aus Bayern her ihre Angriffsbewegung beginnen muß. Dieſer Angriff iſt nach jeder Richtung hin ein leichter, einmal weil dieſe Armee dreimal ſtärker wie der Feind iſt, und dann weil ſie ihren Lebensunterhalt auf der Donau nachführen kann. Der König von Preußen erweiſt der gemeinſamen Sache einen gewaltigen Dienſt, wenn er eine feindliche Armee von 70000 Mann feſthält. Man kann ſicher fein, daß er einen Moment zum Vorſtoß nicht vergeſſen wird, aber wenn man unparteiiſch die militäriſche und politiſche Pofition des Königs von Preußen und die des Kurfürſten von Bayern vergleicht, wird man ohne Weiteres ſagen müſſen,