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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten Schlesischen Kriegen : Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 24. Januar 1890 / von A. v. Roeßler
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daß der Bayeriſchen Armee der entſcheidende Angriff zufällt. Weder von Schleſien nach Mähren , noch von Schleſien nach Böhmen fließt ein ſchiff barer Fluß. Der letzte Feldzug hat uns eine Lehre gegeben für einen An griffskrieg(guerre avanturée) in einem unfruchtbaren Lande ohne ſchiffbare Flüſſe und ohne haltbare Plätze. Der König von Preußen kann ſich deshalb nicht weit von ſeinen Magazinen entfernen, er kann längs ſeiner Grenze einige Meilen in das feindliche Land vorſtoßen, allein er darf ſich mit Rückſicht auf die leichten Oeſterreichiſchen Truppen nicht zu weit von derſelben entfernen.

Dagegen hat die Bayeriſche Armee eine Reihe von Vortheilen. Sie kann auf der Donau immer ihre Vorräthe mitführen, nach Eroberung von Ingolſtadt und Paſſau bis zum Glacis von Wien vorſtoßen, ohne daß die 20 000 Mann des Generals Bathiany auch nur einen Schatten von Wider ſtand leiſten können. Dieſer Vorſtoß wird einmal den Krieg vor die Thore Wiens führen, er wird die Oeſterreicher zwingen, ein ſtarkes Korps dorthin zu detachiren, und dies wird dem König von Preußen ermöglichen, ſeinerſeits in Mähren einzubrechen auch wenn er noch ein ſtarkes Korps an der Böhmiſchen Grenze ſtehen läßt, und auf dieſe Weiſe, wenn wir unſere Operationen unmittelbar auf Wien richten, wird die Königin von Ungarn Halali fein(la reine de Hongrie se verrait aux abois); dagegen wird jeder andere Feldzugsplan mangelhaft, unſicher, unüberlegt oder, um uns gelinder auszudrücken, ſchlecht angelegt ſein.