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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten Schlesischen Kriegen : Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 24. Januar 1890 / von A. v. Roeßler
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König im Ungewiſſen über den Aufmarſch des feindlichen Heeres, dann ſtellte ſich heraus, daß es nicht die Straße Bunzlau , Görlitz , Croſſen, ſondern Königgrätz , Landshut , Breslau zum Vormarſch gewählt habe. Sofort ſetzt ſich das Preußiſche Heer von Frankenſtein nach Schweidnitz in Bewegung. Am 3. Juni kommt die große Armee des Prinzen Karl und des Herzogs von Sachſen⸗Weißenfels aus den Bergen in die Ebene, und am 4., noch ehe die Sonne aufging, trifft ſie der Fridericianiſche Gegenangriff, der nach beſchwerlichem Nachtmarſche zu dem Doppelſiege von Pilgramshaim und Güntherdorf führte, zwei Schlachten, die man gewöhnlich mit dem Geſammt­namen Hohenfriedberg bezeichnet.

Nach einem Verluſt von 15 000 Mann an Todten, Verwundeten, Ge­fangenen und Deſerteuren ziehen ſich die feindlichen Heere auf der Straße nach Königgrätz , woher ſie gekommen waren, wieder zurück. Die Preußiſche Armee folgte, um die Baſis ihrer weiteren Unternehmungen, das große Magazin zu Königgrätz , zu nehmen oder zu vernichten. Jetzt erwartet man den Einmarſch Anhalts in Sachſen , denn der König hatte es ausdrücklich als Friedensbruch bezeichnet, wenn auch nur ein Sächſiſcher Uan den Schleſiſchen Boden beträte.Miſchen ſich die Sachſen nicht hinein, ſo ſchrieb er damals, ſo ſind die Oeſterreicher zu ſchwach, kommen ſie zuſammen, ſo fürchte ich ſie auch nicht. Ex ungue leonem! An der Tatze werden ſie dann den Löwen erkennen.

Nun aber drängte ſich die leidige Politik wieder in die Kriegführung. Zuerſt hielt das verbündete Frankreich , mit Rückſicht auf einen möglichen Sinneswechſel des Dresdener Kabinets, dann das Frieden vermittelnde England ſeine ſchützende Hand über das Kurfürſtenthum. Trotzdem behielt der König ſeine großen Ziele während der ganzen Sommermonate ſtetig vor Augen, unbeirrt darin durch die Wechſelfälle der Begebenheiten. Als die diplo­matiſchen Verhandlungen ſich in die Länge zogen und reſultatlos zu verlaufen drohten, ließ der König ein Manifeſt in den Zeitungen veröffentlichen, welches einem Ultimatum an Sachſen gleichkam. An den Fürſten Leopold ergingen zu gleicher Zeit nähere Weiſungen über die einzuſchlagenden Operationen. Der Fürſt ſollte nach erhaltenem Befehl Leipzig nehmen und dann an die Elbe rücken. Der Pontontrain der Armee wurde von Breslau zu Waſſer Oder abwärts durch den Friedrich⸗Wilhelms⸗Kanal und die Havel nach der Elbe geſchafft und dem Fürſten überwieſen.Ich werde hier, ſchreibt Friedrich wörtlich,in Böhmen einen Defenſiv⸗Krieg führen, um Ew. Liebden Operations zu facilitiren, und wenn die Sachſen aus Böhmen dorthin detachiren ſollten, werde ich auch dahin detachiren.

Der König lagerte damals mit ſeiner Armee auf den Höhen von Chlum, Prinz Karl in feſter Stellung hinter der Adler, als belagerten ſie beide gemein­ſchaftlich die Feſtung Königgrätz . König Friedrich konnte von ſeinem Zelte aus die feindlichen Bataillone zählen und hat auch zweimal, als Sächſiſche