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Detachements von dort über Prag nach Dresden gezogen wurden, ſeinerſeits Verſtärkungen an den Fürſten Leopold geſchickt, die, ohne ſich weiter um die Neutralität des Kurfürſtenthums zu kümmern, durch die Laufig zogen, Kon— tributionen erhoben und auf der Sachſen Koſten lebten.
Das Kriegsmanifeſt des Königs hatte übrigens den gewünſchten Erfolg, nicht am Dresdener wohl aber am Londoner Hofe hervorgerufen. England verpflichtete ſich in einer Ende Auguſt zu Hannover abgeſchloſſenen Konvention, den Frieden zwiſchen Preußen und Oeſterreich zu Stande zu bringen, und bat ſich dazu eine Friſt von ſechs Wochen aus. Deshalb ruhten die Waffen bis zum Spätherbſt. Als der König, noch immer voller Friedenshoffnung, Ende September langſam aus Böhmen nach Schleſien zurückging, um ſeine Armee in die Winterquartiere zu führen, kam es noch einmal, auf den Hügeln von Soor zur blutigen Schlacht, aber auch dieſe änderte an der politiſchen Lage zunächſt nichts.
Erſt mit dem Eintritt des Winters wurde dieſe völlig klar. Die Engliſche Vermittelung war geſcheitert, der Gemahl Maria Thereſias trotz des Preußiſchen Einſpruchs zum Kaiſer gewählt. Sachſen hielt ſich durch die Gebietsverletzungen der Preußiſchen Detachements berechtigt, mit offenem Viſir in die Schranken zu treten und die Oeſterreichiſchen Heere in das Kurfürſtenthum zu rufen.
Der früheſte Sächſiſche Kriegsplan datirt bereits vom September des Jahres 1745. Er iſt von dem Herzoge von Weißenfels niedergeſchrieben, hat aber eine ſo überraſchende Aehnlichkeit mit dem vorhin erwähnten Renardſchen Projekt von 1741, daß ich in dieſem fähigſten der damaligen Sächſiſchen Generale auch jetzt wieder den geiſtigen Urheber vermuthen möchte. Ganz wie damals beſchäftigt ſich der Plan vorzugsweiſe mit dem Korps Anhalt , welches jetzt in der Gegend von Halle in Kantonnements lag. Die Rolle der Hannoveraner hat ein Oeſterreichiſches Korps unter General Grünne über— nommen, welches von Flandern nach der Elbe im Marſch war. Daſſelbe ſoll auf Halberſtadt gegen die rechte Flanke des Fürſten Leopold operiren. Der Sächſiſchen Armee war die Aufgabe zugewieſen, von Torgau und Eilen burg aus gegen die linke Flanke des Korps Anhalt vorzugehen, die Elbe zwiſchen Barby und Wittenberg zu überſchreiten und in die Kurmark einzu“ dringen. Der Fürſt von Anhalt müſſe dann von Halle auf Magdeburg zu— rück und würde zwiſchen zwei Feuer genommen werden. Selbſt dieſer Kunſt= ausdruck Renards findet ſich in der Weißenfelsſchen Denkſchrift wieder. Die Oeſterreichiſche Hauptarmee wird in dem Projekt über Görlitz auf Croſſen dirigirt, um die Schleſiſche Armee von der Mark abzuſchneiden.
Jedoch ſchon im Oktober wird dieſer Plan wieder geändert. Das Korps Grünne erhielt nicht die Richtung auf Halberſtadt , ſondern wird über Zeitz und Leipzig zur direkten Verſtärkung der Sächſiſchen Armee herangezogen, um mit dieſer vereint Fürſt Leopold anzugreifen, zu ſchlagen, dann rechts abzu