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Die Angriffspläne Friedrichs des Großen in den beiden ersten Schlesischen Kriegen : Vortrag gehalten in der Militärischen Gesellschaft zu Berlin am 24. Januar 1890 / von A. v. Roeßler
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zweiten, Abends 9 Uhr abgefaßten Schreiben theilt der König dem Feld­marſchall zunächſt mit, daß den im Laufe des Tages eingegangenen Nach­richten zufolge Prinz Karl nach Leitmeritz und von dort nach Dresden zu marſchiren beabſichtige.Wo der General Grünne eigentlich ſteht, kann ich nicht mit völliger Zuverläſſigleit ſagen, man will, daß er noch bei Pirna ſtehen ſoll. Ich werde mit der Armee auf Kamentz gehen, um à portée zu ſeyn, um Ew. Liebden zu verſtärken oder ſonſt den Umſtänden nach zu thun was nöthig ſein wird. Der Brief enthält die bezeichnende Nachſchrift:Ihre Durchlaucht haben Urſache zu eillen, bevohr andere Weitläufigkeiten das Spiel ſchwerer machen.

Faſt wäre des Königs Abſicht, die getrennten Feinde zu ſchlagen, an der Langſamkeit des Fürſten Leopold geſcheitert. Schon hatte der Feldmarſchall den Sachſen volle Zeit gelaſſen, ſich gemächlich und unbeläſtigt nach Dresden zurückzuziehen und ſich mit Grünne zu vereinigen.

Ließ man nun auch noch dem Prinzen Karl mit der Hauptarmee Zeit, heranzukommen, ſo fand man bei Dresden den vereinigten und dann weit überlegenen Gegner vor. Der König rückte in Eilmärſchen von Kamenz über Königsbrück nach Meißen heran, um in dieſem ſchlimmſten Falle wenigſtens auch die ganze Preußiſche Armee zur Entſcheidung zur Stelle zu haben. Er ſchreibt hierüber am 10. Dezember:Wenn Ew. Läebden Meißen genommen und die Brücke über die Elbe daſelbſt fertig ſein wird, werde ich mit der ganzen Armee hinkommen, um Ew. Liebden nachzuziehen und zu derſelben ſtoßen und um mit der ganzen Armee dem Prinz Carl und allen auf den Hals zu gehen, damit wir die Sache mit Ehren ausmachen und nicht allein gut anfangen, ſondern auch wohl ſchließen mögen.

Doch des Königs erſter Plan gelang noch in der letzten Stunde. Als am 15. Dezember der Fürſt Leopold, nach Vereinigung mit Lehwaldt, 33 000 Mann ſtark, von Willsdruff her die hinter dem Keſſelsbach ſtehende, mit dem Korps Grünne vereinigte Sächſiſche Armee angriff und ſchlug, ſammelte Prinz Karl fein Heer am großen Garten ſüdlich Dresden und konnte am nächſten Tage die Geſchlagenen gerade noch aufnehmen. König Friedrich ſah von Meißen aus, hinter ſich ſeine bis zur Elbbrücke aufgeſchloſſenen Marſchkolonnen, deutlich, wie der ganze Horizont in Feuer ſtand, und der Kanonendonner brachte ihm die zuverläſſige Meldung, daß die geplante Schlacht gegen den getheilten Feind im Gange ſei.

Am 16. begrüßte der Sieger von Katholiſch⸗Hennersdorf den Sieger von Keſſelsdorf auf dem Schlachtfelde, am 18. zogen die beiden nunmehr ver­einigten Preußiſchen Heere in Dresden ein, am 22. flüchtete der geſchlagene Feind, Oeſterreicher und Sachſen zuſammen, über die Böhmiſche Grenze. Hätte jetzt eine Ruſſiſche Armee gewagt, Preußiſches Gebiet zu betreten, nun, dann wäre menſchlicher Vorausſicht nach die Schlacht bei Zorndorf im Jahre 1746 geſchlagen worden.