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der zum Tode Verurteilte vernommen, als auch er der Tat geständig wurde, da er erkannte, daß seine Brüder ihn nur retten wollten. So standen statt eines Täters auf einmal drei vor Gericht, von denen jeder mit gleichem Eifer behauptete, daß er allein jenen Mord begangen.
Da wagte der Richter nicht, den Urteilsspruch an dem ersten zu vollstrecken, sondern legte den Fall zuvor noch einmal dem Kurfürsten vor, welcher verordnete, daß hier ein Gottesurteil entscheiden solle. Er befahl daher, ein jeder der drei Brüder solle eine junge, gesunde Linde mit der Krone in das Erdreich pflanzen, so daß die Wurzeln nach oben ständen. Wessen Baum dann vertrocknen würde, den hätte Gott selbst dadurch als den Täter bezeichnet.
Dies Urteil sollte dann sogleich beim Anbruch des Frühlings vollzogen werden. Aber siehe da! Nur wenige Wochen vergingen, und alle drei Bäume, die man auf dem Heiligen-Geist-Kirchhofe gepflanzt hatte, bekamen frische Triebe und wuchsen bald zu kräftigen Bäumen heran. So war denn die Unschuld der drei Brüder erwiesen, und die Bäume haben noch lange in üppiger Kraft an der alten Stelle gestanden, bis sie endlich verdorrt sind und andern Platz gemacht haben.
Wilhelm Schwartz.
2. Das steinerne Kreuz an der Marienkirche.
Das haben die Berliner zur Strafe setzen müssen, weil das Volk dort einmal einen Probst von Bernau erschlagen hat. Der hatte sich, heißt es, durch die Hartherzigkeit verhaßt gemacht, mit der er die Zehnten eintrieb. Wie er nun einmal — es war gerade Markt und viel Volks zusammengeströmt — wieder heftig gegen die Berliner von der Kanzel losgezogen war und aus der Kirche trat, brach der Unwille gegen ihn los. Von Schimpfreden kam es zu Tätlichkeiten, und schließlich erschlugen sie ihn. Das ist den Berlinern aber teuer zu stehen gekommen. Der Papst hat sie in den Bann getan — es war nämlich noch zur katholischen Zeit, — und es hat ihnen viel Geld gekostet, daß sie sich wieder aus dem Banne lösten. Zur Sühne mußten sie auch jenes Kreuz aufstellen.
Wilhelm Schwartz.