Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
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die Eintracht zu stören. Er nahm die Gestalt eines schönen Mäd­chens an und wandelte vor dem Tore, wo die vier Brüder abends spazieren gingen, auf und ab. Allen gefiel das Mädchen, und einer stahl sich nach dem andern fort, um mit der Unbekannten allein zu sprechen. Da trafen sie denn plötzlich alle vier zusammen und merkten nun erst, daß der Teufel sie genarrt hatte. Der hatte sich jedoch arg verrechnet. Die Brüder sahen nämlich ihr Unrecht ein und gelobten, nie wieder voneinander zu lassen. Sie lebten einträchtig miteinander wie zuvor, gingen nie einzeln aus dem Hause, und wenn sie ausritten, saßen sie alle auf einem Roß. So stellte man sie auf dem Bilde dar. Allen Freuden der Welt entsagten sie, um sich nicht wieder zu entzweien; daher trugen sie einen schwarzen Mantel, weshalb man sie die schwarzen Brüder genannt hat. Ihre Reichtümer benutzten sie dazu, zwischen der Brüderstraße und der Breiten Straße ein Kloster zu bauen, dessen Gebäude noch 200 Jahre gestanden haben, nachdem Kur­fürst Joachim II. das Kloster um 1640 aufgehoben hatte. Die Brüderstraße, eine der ältesten in Alt-Kölln, verdankt den Kloster­brüdern ihren Namen.

Otto Monke (Berliner Sagen und Erinnerungen).

12. Der Kaak.

Das alte berlinische Rathaus in der Spandauer Straße hatte einen Vorbau, die Gerichtslaube, welche abgebrochen wurde, als man in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein neues Rathaus baute. Kaiser Wilhelm I. rettete das altertümliche Ge­bäude, indem er es in derselben Gestalt in seinem Parke Babels­berg 1872 wieder aufbauen ließ. An einer Säule der Gerichts­laube bemerkt man noch heute Las steinerne Bildnis eines großen Vogels mit Menschengesicht und Eselsohren. Das ist der Kaak oder Kolk, der in Berlin auch wohl derverwünschte Musikus" genannt wurde. Die Säule, an der er sich befand, war der Pranger, und ältere Berliner erinnern sich wohl noch der Halseisen und Ketten, die unter dem Spottbilde angebracht waren. Damit wurden solche Verbrecher festgeschlossen, die zu Schimpf und Schande öffentlich ausgestellt wurden, und mancher, den diese Strafe traf, mag den Pranger verwünscht haben und den Vogel dazu.