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ging auch in die Schenke. Da saßen viele Bauern, und der König setzte sich in eine Ecke mitten unter sie. Die Bauern schenkten sich Branntwein ein, und das Glas ging herum am Tische. Und wie es an den König kam, schob er's zurück und sprach: „Ich habe kein Geld, mag es so herumgehen, zurück!" Dann ließen sich die Bauern wieder einschenken und tranken von neuem, und als dos Glas an den König kam, sprach er wiederum: „Mag es so herumgehen, zurück!" Und so geschah es vier-, fünfmal, bis die Kirche fast vorbei war. Da gab der König dem Nächstsitzenden mit der Rechten eine Backpfeife und sprach: „Mag's so rumgehen", und ein Bauer gab sie dem andern weiter, und die Backpfeife ging herum. Und wie sie damit fertig waren, gab der König dem Nächsten mit der Linken eine Backpfeife und sprach: „Mag's so rumgehen", und sie mußten sich die Backpfeife zurückgeben. Dann schlug er seinen Mantel zurück und zeigte seinen Stern. Am nächsten Sonntag gingen sie fein säuberlich zur Kirche.
Der alte Fritz ging in einem alten Soldatenmantel öfter abends in der Hauptstadt umher und in die Wirtshäuser, um zu sehen, was seine Soldaten da qngäben. Einst fragt er einen, der viel draufgehen läßt: „Kamerad, wo hast du denn das Geld her?" „Ja," sagt der andre, „wer den preußischen Pfiff nicht könnte!" „Was ist das?" — „Ich verkaufe, was zu verkaufen ist. Was brauche ich eine stählerne Klinge?" und zieht eine hölzerne Säbelklinge heraus. Der König merkt sich den Soldaten genau, und nach einiger Zeit muß das Regiment antreten. Der König reitet einige Male auf und ab und läßt dann den Kameraden von neulich vortreten. „Zieh sofort deinen Säbel und hau dem Nebenmann den Kopf ab!" — „Ach, Majestät, mein Nebenmann hat mir ja nichts zuleide getan!" — „Zieh, oder er soll dir den Kopf abschlagen!" — Da bleibt dem Manne nichts anderes übrig; er legt die Hand an den Griff und ruft: „Nun denn, möge mich Gott vor Mord behüten und geben, daß meine Säbelklinge zu Holz wird." Und siehe da, wie er herauszieht, ist die Klinge von Holz. Der alte Fritz lachte: „Ich merke, du verstehst den preußischen Pfiff!"
Wilibald von Schulenburg (Landeskunde der Provinz Brandenburg).