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vergeblich waren und er nicht zu seinem Rechte kommen konnte, sandte er nach damaliger Sitte als freier Mann, dem sein Recht verweigert wurde, einen Absagebrief an den Landvogt von Sachsen, daß er abgesagter Feind des Junkers von Zaschwitz und des ganzen Landes Sachsen fortan sein wolle, bis er zu vollem Recht und zu vollem Schadenersatz für alles, was er erlitten, gelange. Mit einer Schar verwegener Gesellen begann er nun auch das sächsische Land auf jede nur mögliche Weise zu schädigen und trieb die Sache bald so weit, daß die Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg einige ihrer Räte nach Jüterbog schickten, wohin auch Kohlhase kommen sollte, um seine Forderungen geltend zu machen. Der kam auch mit einem Gefolge von 40 Pferden. Aber man ging unverrichteter Sache auseinander, da der Junker von Zaschwitz inzwischen gestorben war und seine Erben sich zu keiner Entschädigung bereit erklären wollten. Von neuem begann Kohlhase das sächsische Land heimzusuchen, ja, er brannte sogar die Vorstadt von Wittenberg nieder. Da schrieb vr. Martin Luther an den gefährlichen Mann, wie unchristlich es sei, sich selbst zu rächen. Das machte auf Kohlhase Eindruck. Heimlich kam er, als Pilger verkleidet, nach Wittenberg, um mit Luther über die Sache zu verhandeln. Luther versprach, sich der Sache anzunehmen. Aber es war vergeblich, und die Geschichte spielte in der früheren Weise weiter, nur daß der Kurfürst von Sachsen es bei dem Kurfürsten von Brandenburg schließlich durchsetzte, daß er Kohlhase auch auf märkischem Grund und Boden verfolgen und fangen lassen könne. Aber die sächsischen Späher und Landsknechte griffen ihn doch nicht. So kam das Jahr 1840 heran.
Da kam Kohlhase auf den Rat eines seiner Spießgesellen, Georg Nagelschmidt, auf den Gedanken, sich an seinen Kurfürsten selbst zu machen und ihn so zu veranlassen, sich wirksamer seiner anzunehmen. Er überfiel einen kurfürstlichen Beamten, der mit Silberkuchen aus dem Mansfeldschen unterwegs war, in der Gegend, wo jetzt Kohlhasenbrück liegt, nahm ihm die Silberkuchen weg und versenkte sie unter der Brücke in die Bäke. Das bekam ihm aber übel. Denn nun wurde überall auf ihn und Nagelschmidt gefahndet und bei Leibesstrafe allen verboten, sie zu beherbergen.
Man fing Kohlhase, als man in Berlin Haussuchung hielt. Er hatte sich beim Küster zu St. Nikolai in einer Kiste versteckt.