Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
Seite
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11. Der heiße Tag ist nun dahin, an dem gemeinsam wir gerungen; nun kommt die Nacht, und manchen hat der tiefe Schlaf

bereits bezwungen.

12. Und manches Auge, das noch wacht, läßt müde schon die

Wimper sinken.

Der Herbstwind rauscht; von fern, von fern seh' ich's mit stum­men Händen winken.

13. Doch was die Stunde bringen mag auf nachtumhüllten Zu­

kunftsschwingen:

Sagt, kann sie uns Vergessen je und Ende unsrer Treue

bringen?"

14. Da geht ein Rauschen durch die Luft, ein Nachhall flüstert

leis und leiser:

Dein waren wir, dein bleiben wir, hüben und drüben, Herr

und Kaiser!"

Ernst von Wildenbruch

36. Kohlhasenbrück.

Etwa eine Stunde von Potsdam, auf dem Wege nach Berlin, nicht weit von der Stelle, wo der Teltowkanal in den Griebnitz- see mündet, floß früher ein Bächlein, die Bäke, über das dort eine Brücke führte. Die Brücke hieß die Kohlhasenbrücke. Von ihr hat die kleine Niederlassung dort ihren Namen bekommen. Von der Brücke geht folgende Geschichte:

Zur Zeit der Kurfürsten Joachims II. und JoachimsIII. lebte in Cölln an der Spree ein angesehener Bürger, Hans Kohlhase, der einen nicht unbedeutenden Pferdehandel betrieb. Einmal kam er mit einigen Pferden von Leipzig zurück, da wurde er in der Nähe von Düben durch die Leute des Junkers von Zasch- witz angehalten. Er sollte sich ausweisen über die Pferde, es wären sicher gestohlene. Vergeblich beteuerte er seine Unschuld, die Pferde wurden zurückbehalten. Da klagte er den Unfall seinem Kurfürsten Joachim I., und der erwirkte den Befehl vom Kurfürsten von Sachsen, daß ihm die Pferde vom Junker von Zaschwitz zurückgegeben werden sollten. Inzwischen waren diese aber hinter dem Ackerpflug abgetrieben und schlecht im Futter gehalten worden, so daß Kohlhase sich weigerte, sie zurückzu­nehmen und Schadenersatz forderte. Als alle seine Bemühungen