35. Kaiser Wilhelm in Babelsberg.
1. Am Babelsberg der blaue Strom, die Havel, rauscht durch Rohr
und Reiser.
Aus Babelsberg in Sinnen steht des jungen Deutschlands
alter Kaiser.
2. Den Weg hinauf, den Weg hinab blickt er ins blühende Gehege: „Du Wiesengrün, du Baumespracht, ihr seid die Kinder meiner
Pflege.
3. Du Garten, der mich rings umrauscht, Sinnbild des arbeits
vollen Lebens,
ich pflanzte, hegte, pflegte dich; Gottlob, ich pflanzte nicht
vergebens!"
4. Die Sonne neigt zur Rüste sich. Der Kaiser blickt von Berg
zu Tale.
Zu Füßen liegt ihm Land und See wie eine fruchtgefüllte
Schale.
5. Er hört der Herde sanft Geläut', die weidesatt zur Heimat
schreitet,
vom Strom herauf des Schiffers Lied, der singend sich zur
Ruh bereitet.
6. Hoch über Land und Wasserflut zieht es dahin wie tiefes
Rauschen.
Der Kaiser neigt sein greises Haupt, dem heil'gen Weiheklang
zu lauschen.
7. Er regt die Lippen: „Dir sei Dank, Allmächt'ger, der Du mir's
beschieden!
Ich höre Deutschlands Atemzug und sehe meines Volkes
Frieden."
8. Und wie das Haupt er wieder hebt, sieht er in Glut den Tag
ertrinken.
Er blickt ins Licht: „So sah ich einst die Sonne bei Sedan
versinken."
9. Da ist's, als tön' ein Nachhall: „Ja!" Ihm schwillt das Herz,
ihm wächst die Seele,
vom Postamente grüßen ernst den Kaiser seine Generäle.
10. Und langsam wandelnd Schritt für Schritt, von Bilde schreitet
er zu Bilde:
„Dich grüß' ich, dich und alle Euch Genossen Ihr im Schlachtgefilde.