Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
Seite
43
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35. Kaiser Wilhelm in Babelsberg.

1. Am Babelsberg der blaue Strom, die Havel, rauscht durch Rohr

und Reiser.

Aus Babelsberg in Sinnen steht des jungen Deutschlands

alter Kaiser.

2. Den Weg hinauf, den Weg hinab blickt er ins blühende Gehege: Du Wiesengrün, du Baumespracht, ihr seid die Kinder meiner

Pflege.

3. Du Garten, der mich rings umrauscht, Sinnbild des arbeits­

vollen Lebens,

ich pflanzte, hegte, pflegte dich; Gottlob, ich pflanzte nicht

vergebens!"

4. Die Sonne neigt zur Rüste sich. Der Kaiser blickt von Berg

zu Tale.

Zu Füßen liegt ihm Land und See wie eine fruchtgefüllte

Schale.

5. Er hört der Herde sanft Geläut', die weidesatt zur Heimat

schreitet,

vom Strom herauf des Schiffers Lied, der singend sich zur

Ruh bereitet.

6. Hoch über Land und Wasserflut zieht es dahin wie tiefes

Rauschen.

Der Kaiser neigt sein greises Haupt, dem heil'gen Weiheklang

zu lauschen.

7. Er regt die Lippen:Dir sei Dank, Allmächt'ger, der Du mir's

beschieden!

Ich höre Deutschlands Atemzug und sehe meines Volkes

Frieden."

8. Und wie das Haupt er wieder hebt, sieht er in Glut den Tag

ertrinken.

Er blickt ins Licht:So sah ich einst die Sonne bei Sedan

versinken."

9. Da ist's, als tön' ein Nachhall:Ja!" Ihm schwillt das Herz,

ihm wächst die Seele,

vom Postamente grüßen ernst den Kaiser seine Generäle.

10. Und langsam wandelnd Schritt für Schritt, von Bilde schreitet

er zu Bilde:

Dich grüß' ich, dich und alle Euch Genossen Ihr im Schlacht­gefilde.