49
40. Rotmützeken.
Bei einem Reetzer Fischer im Oderbruch vermietete sich einst ein Knecht, der immer eine rote Mütze trug, weshalb er im Dorf „Rotmützeken" genannt wurde. Alle Sonntage, wenn die andern Leute zur Kirche gingen, stieg er auf den Stallboden, wo allerlei kleine Männer, die „Unnererdschken", zu ihm kamen und Spiel und Lärm und lautes Lachen mit ihm vollführten. Wenn dann die Hausleute aus der Kirche zurückkehrten, kam „Rotmützeken" wieder vom Stallboden herunter und war munter und guter Dinge. Das dauerte eine ganze Zeit, wohl über Jahr und Tag.
Eines Sonntags, es war am Sonntag nach Weihnachten, stieg er auch wieder auf den Stallboden, während die andern zur Kirche waren, und das Lärmen und Poltern und Lachen nahm wieder seinen Anfang wie früher, nur viel wilder und lauter. So ging es wohl eine Stunde. Als aber der Prediger auf der Kanzel eben Amen gesagt hatte, da gab es einen Knall, der die Kirche und alle Häuser im Dorf erschütterte, und als die Leute nach Hause stürzten, fanden sie die Stallbodentür weit auf die Straße geschleudert, Rotmützeken aber an einem Kreuzbalken erhängt. Sie begruben ihn in einer Ecke des Kirchhofs.
Er hatte aber nicht Ruh im Grabe. Immer in der Sonntagsnacht nach Weihnachten erschien er auf dem Kirchhof, und die Hirten, die damals (wo im Sommer das Bruch unter Wasser stand) oft noch um die Weihnachtszeit ihr Vieh auf die Weide trieben, sahen ihn dann, wie er auf dem bretternen Kirchhofszaun saß und mit dem Kopfe schüttelte. Er war dürr wie ein Skelett; aber er trug immer noch die rote Mütze. Daran hatten sie auch erkannt, daß es kein anderer sein konnte als „Rotmützeken".
Theodor Fontane (Oderland).
41. Gründung des Klosters Lehnin.
1. Dem Markgrafen Otto, dem Sohn Albrechts des Bären, diente Wußo. Der war früher ein wilder Heide gewesen und hatte gedürstet nach dem Blute der Fremden, die eine fremde Sitte und einen fremden Gott in das Land seiner Väter einführen wollten. Einst war er mit dem Markgrafen in der Umgebung Brandenburgs zur Jagd ausgeritten, und sie waren in
Nohl, Unsere Mark Brandenburg. I. Teil. 4