Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
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und anbinden müssen. Otto aber folgte, den Speer über sich schwingend, mit kühnen Schritten der Fährte des Elens, ohne viel vor sich auf den Boden zu sehen. Nur Wußo kannte den einzigen, schmalen Weg durch das Bruchland, und bei jedem Schritte meinte er, der Fürst werde sinken. Aber er fand den Weg, ohne daß er ihn kannte. Sein Fuß traf immer das Feste und sank nicht ein. Da er fast drüben war, rief er dem Wenden zu:Was scheust du, Wußo? Kommst du mir nicht nach?"

Wußo machte sich nun auf den Weg, den er so oft zurück­gelegt; aber seine Augen waren wie geblendet. Er sank zweimal mit dem Fuß ein, und plötzlich, als der ganze Boden unter ihm zu zittern anfing, ward er inne, daß er falsch gegangen, und es war zu spät, die Richtung zu ändern. Da, in seinen höchsten Nöten rief er:Ach, Sankt Johannes, wie du den hinüber gebracht, hilf auch mir, wenn du den Weg kennst!" Und ihm war's, als liege um ihn eine Wolke, und ein Mann, halb nackend, mit zottigem Haar und einem Fell um die Schulter, aber einen lichten Schein um die Stirn, reichte dem Versinkenden die Hand und führte ihn sicher hinüber. Da verschwand er, und der Fürst lächelte: Ei, Wußo, kennst du so wenig dein Land, daß du selbst eines Führers bedarfst?"

4. Der Tag war heiß, und die beiden wurden müde von der Jagd; denn so oft sie auch den Hirsch sahen, immer verschwand er wieder. Da rief Markgraf Otto:Den Hirsch muß ich zum Stehen bringen; ist mir doch, als hinge mein Heil und Leben von seinem Leben ab. Ich hab's gelobt dem heiligen Hubertus, aber jetzt kann ich nicht mehr." Unter einer alten Eiche sank er um, den Speer in der Hand, todmüde.

Aber Wußo hatte auch gelobt, sein Leben und Heil solle davon abhängen, daß er dem Markgrafen das Leben nehme, was es ihn auch koste. Schwer ward es ihm; denn er war kein schlechter Mann und glaubte, es nur zu tun um seines Landes Wohl. Und da es Nacht wurde von den Wolken, die aufzogen, drückte Wußo die Augen zu, faßte den Wurfspieß mit beiden Fäusten und rannte wild auf den schlafenden Fürsten zu. Da fuhr ein Blitz auf die Eiche nieder, und ein Donner krachte, als wäre der Baum von seinen Wurzeln gebrochen. Vor ihm stand wieder derselbe Mann, der ihn über das Bruch geführt, drohend den Arm aufhebend, und Wußos Hand entsank der Wurfspeer.

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