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Dort oben auf den Bergen wohnt noch eine zweite Prinzessin. Allabendlich fährt sie mit vier goldfarbigen Rossen hernieder zum Müggelsee, um die Durstigen zu tränken; doch ein großer Heuwagen, mit vier weißen Mäusen bespannt, rollt ihr entgegen, den Lauf ihres Gefährts zu hemmen. Sie besaß einst ein prächtiges Schloß droben, wo dann später jener große Stein, auch Teufelsaltar genannt, gelegen hat. Das Schloß ist längst dahin, aber auch der Stein ist seit Jahren verschwunden. Zuweilen nur schlägt aus dem Boden dort eine hohe Flamme. Dann wieder sieht man aus der Höhle, die der Stein verdeckte, ein altes Mütterchen am Stabe gebückt hervortreten.
Auch die wilde Jagd tobt zuweilen unten am Teufelssee, und ein Mann aus Köpenick, der in der Johannisnacht vorüberfuhr, vernahm ein Getöse von Jagdhörnern und Hundegebell, und seltsam schaurige Gestalten flogen vor ihm her durch die Bäume, so daß er Gott dankte, als er endlich glücklich zu Hause ankam.
A. Trinius (Märkische Streifzüge).
64. Allerhühnchen.
Vor mehreren hundert Jahren war eine Frau von Beeren eines Kindleins glücklich genesen. In einem großen Himmelbett, dessen Gardinen halb geöffnet waren, lag die junge Frau, neben sich die Wiege mit dem Kinde, und verfolgte in träumerischem Spiel die Schatten, die in dem spärlich erleuchteten Zimmer an Wand und Decke auf und ab tanzten. Plötzlich bemerkte sie, daß es unter dem Kachelofen, der auf vier schweren Holzfüßen stand, hell wurde, und als sie sich aufrichtete, sah sie deutlich, daß ein Teil der Diele wie eine kleine Kellertür aufgehoben war. Aus der Öffnung stiegen alsbald allerhand zwergenhafte Gestalten, von denen die vordersten kleine Lichtchen trugen, während andre die nach ihnen Kommenden willkommen hießen. Alle waren geputzt. Ehe sich die junge Mutter von ihrem Staunen erholen konnte, ordneten sich die Kleinen zu einem Zuge und marschierten zu zwei und zwei vor das Bett der jungen Frau. Die zwei Vordersten baten um die Erlaubnis, ein Familienfest feiern zu dürfen, zu dem sie sich unter dem Ofen versammelt hätten. Frau von Beeren war eine liebenswürdige Frau, ihr