Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
Seite
81
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Nur im Rauschen düstrer Föhren klingt es wie von Geisterchören, die in Berges Schoß verbannt.

5. Doch wenn in Gewitterstürmen sich der Müggel Wogen türmen

und der Wald erbebt und stöhnt, werden in der Wut der Wetter wach die alten Wendengötter, trifft ihr Zorn, wer sie verhöhnt.

6. Wehe dem, der dann im Wahne eigner Kraft dem leichten Kahne

sich vertraut voll Wagemut!

Denn die Geister ohn' Erbarmen reißen ihn mit stärkern Armen nieder in die tiefe Flut.

Fritz Eichberg.

63. Am Teufelssee.

Tief unten auf dem Grunde des Teufelsees liegt ein ver­sunkenes Schloß, und zur Johannisnacht, wenn ringsum Glüh­würmchen den Wald illuminieren, steigt eine wunderschöne Prin­zessin aus der feuchten Tiefe herauf und schmückt den Saum ihres Gewandes mit den gelben Teichrosen. Dann setzt sie sich auf den großen Stein, der am Ufer liegt, flicht ihr langwallendes Haar und seufzt und weint. Manchmal erscheint sie auch als ein Schwan, der einsam und traurig einherschwimmt.

Einst stand ihr Schloß hoch oben auf den Bergen; doch als die Spröde alle Bewerber um ihre Hand zurückwies, stürzten die alten heidnischen Gottheiten unter furchtbarem Erdbeben Schloß, Schätze und Jungfrau in die Tiefe. Nur ein unbescholtener Jüngling kann sie retten, wenn er in der Johannisnacht dreimal ihren Namen ertönen läßt. Dann kommt sie herauf, und er muß sie auf seinen Arm nehmen und sie wortlos, umzischt von bösen Geistern, dreimal um die Kirche von Köpenick tragen. Dann ist sie erlöst; das Schloß steigt wieder herauf, und die Musikanten spielen zur Hochzeit auf.

Nohl, Unsere Marl Brandenburg. I. Teil.

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