Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
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fallend:Diese Stelle hier ist heilig und Gott geweiht." Und sofort beschloß er, daß daselbst eine Kapelle gebaut werden sollte, und da das Land Eigentum des Bistums war, so konnte dies rasch geschehen. Der Pfarrer von Pritzwalk mußte nun, so sehr er sich auch sträubte, das Heiligtum in diese Kapelle überführen lassen, und seine Hoffnung, Pritzwalk zu einem berühmten Wallfahrtsort erwachsen zu sehen, war dahin. Der Ort in der Kapelle, wo die Hostie gelegen, wurde mit einem Stein bezeichnet, auf dem eine Inschrift die wunderbare Begebenheit kundtat. Und diese Stelle sowie auch die Kapelle hieß fortandas heilige Grab".

Auch Markgraf Otto, den man den Langen nannte, hörte von dem heiligen Grabe, glaubte aber nicht recht daran. Als er nun einstmals in die Gegend kam, gefiel sie ihm ausnehmend wohl, und der Bischof bat ihn, daß er an der Stelle der Kapelle ein Kloster bauen sollte. Davon wollte der Markgraf jedoch nichts wissen. Bauen wollte er wohl, aber ein schönes Jagdschloß schien ihm in der wildreichen Gegend besser als ein Kloster. Bei dem Abschiedsmahle, das ihm von dem Bischof zugerichtet ward, wurde viel darüber gesprochen. Doch als Otto auch hier auf seinem Vor­satz beharrte und sich über ein Kloster ungünstig aussprach, siehe, da verwandelten sich die ihm Vorgesetzten Speisen in Blut, daß er entsetzt aufsprang und vor Staunen und Schreck kein Wort mehr Hervorbringen konnte. Ernst sagte nun der Bischof, daß er darin ein Zeichen erblicken möge, wie Gott seinen Schloßbau nicht mit Wohlgefallen ansehe. Als ihm nun gar nachts darauf ein Engel erschien und ihm befahl, den Schloßbau zu unterlassen und ein Kloster zu gründen, da mußte er in sich gehen; er gab dem Bischof recht, und der Klosterbau wurde beschlossen.

So entstand nun an dieser Stelle das Kloster Heiligengrabe, ein großer Gnadenort, den gesehen und daselbst gebetet zu habett für jeden Christen als ein großes Glück angesehen wurde. Dieses Cisterzienser-Jungfrauenkloster ist dann später in ein Fräuleinstift umgewandelt worden, und das ist es heute noch.

Gustav A. Ritter (Deutsche Sagen).

71. Der Bilwitz.

Sage aus dem Havelwinkel.

Steht das Korn in schönster Blüte, mannshoch in den Halmen, saftig und mit weichen, werdenden Ährlein, dann machen die