Teil eines Werkes 
1 (1912) Sagen
Entstehung
Seite
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Frau Harke den Havelberger Dom einwerfen wollte, da stand sie mit dem einen Bein auf dem Kamernschen, mit dem andern auf dem Rhinowschen Berge, fo gewaltig groß war sie. Zwei Riesenkinder haben einst mit den großen Steinen gespielt, die auf einem Berge beim Dorfe Mürow liegen. In der Gegend vom Dorfe Dreetz liegt im Walde zwischen dünenartigen Sand­bergen eine ziemlich große Wiese, Segers Wische geheißen und in uralter Zeit einem Riesen namens Seger gehörig. Die hat er bei der Heumaht in neun Schwatt abgemäht und dabei acht Tonnen Bier getrunken. Sein Grab war früher noch zu sehen. Ein Riese in Berlin war so groß, daß sein Leib nicht auf einem Kirchhof Platz fand, und Riesenschulterblatt und Rippe hängen noch am Molkenmarkt, und zu Strausberg, in der Kapelle vorm Landsberger Tor liegt ein Riesenknochen an einer Kette; andre sagen, von einem Lindwurm. Wenn ein Hüne ein Hünenmädchen auf den Rüthschen Bergen besuchen wollte, ging er mit zwei Schritten durch das Pohlsche Luch und trat dabei auf den Teufels­berg; davon ist oben noch die Vertiefung. Hünen haben den Trebelsee bei Ketzin ausgegraben.

Wenn ihnen ein See oder Fluß im Wege war, schütteten sie einen Damm hinein, um hinüberzukommen. Solche Dämme sind noch erhalten. Viele Berge stammen von ihnen her. Zu alter Zeit trugen die Menschen die Erde in Schürzen fort, so machten es auch die Hünenmädchen und Hünen. Dabei riß ihnen von der Last oft das Schürzenband, und die Erde fiel nieder. Davon sind eine ganze Anzahl Berge in der Mark entstanden, die heute noch sind. Auch alte Burgwälle und Schloßberge haben Riesen, besonders Riesenweiber erbaut. So erbaute beim Dorfe Knob- loch ein Riese mit drei Schürzen Erde den dortigen Burgwall und drei Riesenfrauen in einer Nacht den Schloßberg zu Burg im Oberspreewald, ein altes germanisches Heiligtum. Hünen­wall hieß auch früher der Räuberberg bei Bechlin. Eine Riesen­jungfrau wollte den großen Werbellinsee zudämmen. Bon Erde aus ihrer Schürze ist der schöne Berg entstanden, der etwa 40 Fuß hoch ist. Ein Riesenfräulein aus der Neumark wollte einst das Oderbruch besuchen. Da sie nicht über die Oder konnte, nahm sie eine Schürze voll Erde bei Neumühl dadurch verschwand der ganze Berg zwischen Neumühl und Hälsow und schüttete die Erde aus, wo jetzt die Pieseberge sind. Sie holte noch eine