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dreiundzwanzig Kohlgärten lagen, und danach einen Hügel nach dem anderen fort, bis es endlich an eine Windmühle kam. Die sing an gewaltig zu wanken und zu prasseln, so daß sich der Müller und eine Magd, die darin waren, kaum noch retten konnten. Der Müller hat aber erzählt, daß er drei Nächte zuvor zweimal nacheinander eine Stimme gehört, die gerufen habe: „Müller heraus, nur bald fort!" Gleichwohl habe er, als er hinausgekommen sei, niemand gesehen. Danach hat man denn im Städtlein den Be- ^ schluß gefaßt, diesen Tag alljährlich mit Fasten und Gebet zu begehen, was auch eine Zeitlang geschehen, später aber wieder eingegangen ist.-
Dieselbe Sage von einem versunkenen Schlosse, an dessen Stelle jetzt ein See sich ausbreitet, wird von gar vielen Punkteil in deutschen Landen erzählt. So auch noch von einer anderen Stelle in der Altmark, nämlich von dem See bei dem Dorfe Urs- leben.
Einen Büchsenschuß hinter dem Dorfe befindet sich ein großer See, genannt der Brok (Bruch). An dessen Stätte, so erzählt die Sage, war vor alten Zeiten ein schönes Schloß, das hernach unterging, und seitdem war das große Wasser aufgekommen. Nämlich es sollen alle Leute drinnen versunken sein, ausgenommen eine einzige Edeljungfer, die ein Traum kurz vorher warnte. Als nun das Vieh und die Hühner auffallende traurige Zeichen eines bevorstehenden großen Unglücks laut werden, ließen, setzte sich diese Jungfrau auf einen Ochsen und ritt davon. Mit genauer Not erreichte sie einen nahe gelegenen Hügel; hinter ihr drein sank das Schloß zusammen, und wie sie auf dem Ochsen sitzend sich vom Hügel umsah, war das Gewässer überall aufgestiegen. Davon heißt der Hügel noch Ossenberg (Ochsenberg) bis auf den heutigen Tag.
Gustav A- Ritter (Deutsche Sagen).