Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
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hierzu die heweißthuͤmer nimmt, welche bon

der aͤhnlichkeit der wörter hergeholet wer­den: der wird ohne ſchwierigkeit Semnones und Sennones fuͤr eins halten. Sonſt lei­tet Matth. Praetorius Orb. Goth. ö 55. den namen her von Zeme, welches in der Gotiſch⸗Sarmatiſchen ſprache die erde, Zemnoner, Semnones aber leute bedeute, ſo nicht am meer, ſondern tief ins Land hinein wohnen. ( VI. Tacitus ruͤhmet indeſſen von den Semnonern, daß ſie die aͤlteſte und edelſte unter den Sueben wären: vetuſtiſſimos fe nobilifimosque Suevorum Semnones memorant: daß fie auch ein groſſes Volk ausgemacht, und bei hundert Landſtriche, pagos, bewohnet, auch daher ſich für die vornehmſte gehalten: adjicit auctoritatem fortuna Semnonum. Centum pagis ha­bitantur; magnoque corpore efficitur, ut ſe Suevorum caput credant de Mor. Germ. c. 39. Und was Jul. Caeſar in ſeinem Comment. de Bello Gall. L. IV. c. J. von den Suevis überhaupt ſchreibet, daß fie hundert pagos bewohnet, und L. I c. 37. daß ſich 100. pagi niedergelaſſen am Rhein, das iſt allem anſehen nach wohl inſonderheit von den Semnonihus zu Ders ſtehen, und aus dieſer nachricht des Taci­tus zu erklaͤhren, da es Caeſar doch nur vom Hören ſagen in Gallien hat: ii Cen­tum pagos habere dicuntur; 100. pagi aber ohnedem für die ganze Sueviſche voͤlker­ſchafft viel zu wenig iſt. Sein auch die von Sens, welche Julius Caeſar Senones nen­net, wuͤrklich nachkoͤmmlinge von dieſen Semnonibus: ſo ſein ſie durch dieſe und vorhergehende kriege dahin gekommen. Die­ſemnach iſt dann nicht zu verwundern, wann dieſes anſehnliche volk nicht allein ſein Land und graͤnzen vertheidiget, ſondern auch gan ze haufen ausgeſchikt, welche als ein uͤber­ſchuß, den das land nicht ertragen mögen, hald innerhalb, bald auſſerhalb Teutſchland neue wohnſitze ſuchen, oder ſich als huͤlfö­truppen gehrauchen laſſen muͤſſen. Dieſes giebt Julius Caeſar ganz deutlich zu verſte­hen, wann er meldet, daß ein ieder pagus alle iahr tauſend mann ausgeſchikt, wel­che krieg führen muͤſſen, da die andere ins zwiſchen das Land gebauet; und wann ie­ne wiedergekommen, dieſe zu felde ziehen muͤſſen. Ex pagis centum qvotannis ſin­gula millia armatorum bellandi cauſa ſuis ex finihus educunt: reliqvi domi manent: pro fe atque illis colunt., Hi rurſus in­vicem anno poſt in armis ſunt, illi do­

Erſter Theil, Von der Mark insgemein. Il. Kap.

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mi remanent. L. IV. c. J. de B. G. Sol­cher krieg hat alſo ohn allen zweifel zum abſehen gehabt die Beſchuͤtzung der graͤnzen, als woran ihnen wegen der inner­lichen ruhe am meiſten gelegen war: dann haben ſie auch ihren nachbaren und landes­leuten wieder ihre feinde geholfen; wie dann Arioviſtus unter ſeinem kriegesheer eine anſehnliche menge Sueben gehabt Jul. Cae­far L. 1. c. 37. Welche willfaͤrtigkeit aber den Landsleuten zu helfen ihnen ohne zwei­fel auch die Roͤmer auf den hals gebracht. Julius Caeſar hatte ihre triftigkeit erfahren: und es war allerhand vorgegangen, wodurch Auguſtus gereitzet worden, ſie mit krieg zu überziehen, der auch über dies willens war, wo nicht ganz Teutſchland, doch ei­nen guten theil davon zu einer Provinz zu­machen: Quatenus ſciebat, patrem ſuum Caeſarem bis traiecto ponte Rheno, quae­file bellum, in illius honorem concupit facere provinciam, ſagt Florus L. IV. c. 12. Druſus wurde deßwegen mit maͤch­tigen krieges heeren ausgeſchilket, und war fo gluͤtlich, daß er die laͤngſt dem Rhein wohnende voͤlker bezwungen, auch die noͤrd­liche einwohner, und unter denen auch die Sueben angefallen und uͤberwunden. Daß Druſus bis an die Elbe, und zwar in die Altmark kommen, ſolches laͤſſet ſich mit ziem­licher wahrſcheinlichkeit behaupten: 1. Weil Ptolemaeus in der Altmark die ſiegeszei­chen des Druſus aufgefuͤhret, von welchen dazu 2. Dio Caſſins meldet, daß die: miſche ſoldaten willens geweſen dem Dru­ſus zu ehren tropaea aufzurichten. 3. Weil ſich verſchiedene oͤrter finden, welche von dem Druſus den namen ſcheinen empfangen zuhaben, als Druſtet, Druſedau. Oh er aber mit den Roͤmiſchen truppen über die Elbe gerukket, iſt deßwegen zweifelhaft: weil nicht glaublich, daß er an einem ort, da er um ſich herum lauter finde und ſtreit­bare voller hatte, ſich ſollte noch tiefer his nein, und unter noch ſtreitharere vöͤlker ge­waget und mit ſelbigen angebunden haben; da inſonderheit bei mißlichem fortgang der ruͤweg ſo gefährlich war, Und iſt daher die Vermuhtung ganz richtig, daß das hom Dio Caſſius angeführte geſpenſt nur erdacht worden, des Druſus ehre zu retten, welcher wohlgemerket mochte haben, daß er ſich zu weit gewaget, ſich auch aufgemacht und ſei­nen weg zuruͤk genommen. Sein abzug ſcheint auch eilfertiger geweſen juſein, als daß er viel Schloͤſſer ſollte haben auf bauen koͤnien. Florus ſagt zwar, in tutelam

provin­