Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
Seite
211
Einzelbild herunterladen

211 Erſter Theil, von der Mark insgemein. x. Kap. 212

Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt dennoch bei dem vori­gen entſchluß verbleiben, waͤren ſie bereit den ihnen vorgeleſenen eid abzuſchweren. Als ihnen auch inſonderheit vorgehalten wor­den, daß ſie gleichwohl uͤber ſolchem gebeht dreimahl über die linke ſchulter ausſpuk­ten: haben ſie ſich abermahl heftig entſchul­diget, daß es kein gelahrter bei ihnen thun wuͤrde, und wann es einige etwa thun ſollten, wie ſie doch nicht wußten, geſche­he es doch in keinem andern berſtand, als daß ſie damit die Heiden meineten, die gar von Gott nicht wuͤßten. Sie für ihre perſonen trhaͤten es nicht, fo wuͤrde auch die Jugend in ihren ſchulen, dergeſtalt nicht unter­wieſen. Und damit man ſehen ſollte, daß es ihnen ein ernſt waͤre, wollten ſie in dem Tempel und in ihren Schulen bei ſtrafe des hoͤchſten hannes ausrufen laſſen, daß kei­ner, er ſei wer er wolle in ſolchem gebeht ausſpeien, vielweniger die jugend darauf anweiſen ſollte; auch des andern tages in beiſein des Conſiſtorial Secretarii, welcher zu dem ende dahin geſchikket worden, ſolches oͤffentlich gethan. Als auch zu eben der zeit ein bekehrter Jude, ſo in Halberſtat erzo­gen und gebohren, zugegen geweſen, inglei­chen ein Knabe von 16 jahren bon gutem berſtande, der damahls in der Chriſtlichen Religion unterwieſen worden, und auch aus dem Fuͤrſtenthum Halberſtat geweſen: fo hat die Regierung beide aufs genaueſte be­fraget, was ihnen davon wiſſend, und ob ſie

in ihrer jugend in ihren ſchulen alſo unter­

richtet? Worauf der aͤlteſte Andreas Ale­xander beſtaͤndig ausgeſaget, daß es zwar nicht ohne, daß fie in dem gebeht Olenu, wann fie an den ort kaͤmen, da drei X auf einem gewiſſen ledigen raum ſtuͤnden, aus­ſpeieten: es wurde aber oͤffentlich nicht gelehret. Ein ieder aber wußte es, daß durch das ausſpeien ſie diejenige, ſo andere goͤtter hätten, verfluchten. Der Knabe Levin Samuel ſagte, wie er in die ſchule gegangen, und nicht vollig leſen konnen, haͤtte er wahrgenommen, daß der Schulmei­ſter auf die linke ſeite ausgeſpien, welches er behalten. Als er nun recht leſen koͤnnen, und einmahl des morgens in die ſchule gekom­men und gebehtet, haͤtte er auch wie andere

gethan, und hernach der ſache ſelbſt nachge­

dacht, und befunden, daß durch das wort Gojim die Heiden, und alſo auch die Chri­ſten verſtanden würden; eigentlich aber waͤre es ihm bei der unterweiſung nicht ge­ſagt worden. Allein da er das Teutſche huch geleſen, haͤtte er noch mehr der ſache nachge­

dacht, und fuͤr ſich wahrgenommen, daß die bedeutung auf die Chriſten gehe. Die ge­

ſamte anweſende Juden wurden nochmahls

erinnert, daß es darauf nicht ankaͤme, wann oder von wem das geheht gemachet? ſondern ob das ausſpeien bei ihnen gebräuchlich ſei? und da es uͤhlich waͤre, ob es nur ſo obenhin geſchehe, oder ob es mit einer beſondern ab­ſicht und zueignung geſchehe? Worauf der Rabbi geantwortet, er hezoͤge ſich auf das Memorial, iedoch endlich geſtanden, daß wohl etliche wären, die es thaͤten,{te thaͤten es aber nicht, auch nicht die Schulmeiſter, viel weniger thaͤten fie es in zueignung auf den Herrn Chriſtum.

Weil ſie aber ſich doch nicht alles ver­dachts entſchlagen koͤnnen, und wo nicht ganze Gemeinen, iedoch einige Perſonen ſich

dergleichen laͤſterungen theilhafftig machen

mögen; wie dann der junge Jude Lebin Sa­muel vor der Regierung zu Halberſtat ſol­ches uicht undeutlich zu verſtehen gegeben; und man ohne das nicht weiß, was einer oder der andere fuͤr reſervationes mentales da­bei hegen möchte; auch unter den gelehrten Chriſten nicht allein Buxtorf und D. Pfeifer folches angemerkt, ſondern noch vor weniger zeit der Derr Eiſenmenger in ſei­nem Entdekten Judenthum I Th. Il. kap. ſ. 87. ſeqq. von neuen heſtetiget; auch der Herr D. Walther Prof. Theol. zu Köͤnigs­berg auf Königl. befehl davon zwei Diſputa­tiones gehalten, de precibus Judaeorum

Alenu Ile ſcMhaßbeach, er Velammalſchinim, und Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt den ſicherſten weg

gehen wollen: ſo haben ſie endlich ein ſehr

nachdruͤkliches und zwar ewiges Hair darin

ergehen laſſen, und ernſtlich befohlen, daß hinfuͤhro kein Jude weder in der ſchule noch

zu hauſe dieſe worte behten und ausſprechen,

auch nicht dabei ausſpulken oder hinweg­ſpringen, oder ſolche den Kindern beibringen ſolle, bei verluſt ſo fort aus den Koͤnigl. Lan­den getrieben zu werden: deſſen voͤllige worte ſich folgender maſſen verhalten:

Wi Friedrich von GOttes Gnaden, Köͤ­

nig in Preuſſen 2c. 2c. geben hiermit allen und ieden Praͤlaten, Grafen, Herren

denen von der Ritterſchafft, Verweſern,

Haupt und Amtleuten, Magiſtraten in Staͤten und Flekken, Gerichts⸗Ohrigkeiten,

Befehlshabern, Verwaltern, Schulzen in

Dörfern, wie auch ins gemein allen Unſern Unterthanen, glaubigen und e,. uͤher

C 9 Q d Q ly 2