Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
Seite
243
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243 Erſter Theil, von der Mark inzgemein. X. Kap. 244

lange darauf der Polniſche krieg entſtanden, in der Neumark wieder ſchien einen anſtoß zu leiden: nachdem aber auch dieſer krieg ſich geendiget, alles in ſeinen voͤlligen ruhe­ſtand gekommen, und durch GOttes Gnade, und die weiſſe regierung des groſſen Chur­fuͤrſten, beſtandig darin verblieben; auſſer was der Schwediſche einfall An. 16756. an­zudrohen ſchien, welche kleine wolke aber doch auch bald uͤberging. Die Einwohner in Staͤten und Dörfern haben ſich wieder gemeh­ret, die zerſtoͤhrte ſtellen fein wieder angebauet, und die handlung zu lande und zu waſſer wieder in aufnehmen gekommen; inſponderheit nach­dem durch den Neuen graben zwiſchen der Oder und Spree die Oſt⸗ und Weſtſee zuſammen gehaͤnget worden, auch ſonſten ein ieder ſei­ner handtierung, von was ahrt ſie auch ſein moͤgen, beides zu ſeinem eigenen und des Landes beſten friedlich abgewartet. Die Churfuͤrſtin Louiſe verbeſſerte durch die aus Holland beruffene, zum theil auch von ſelbſt angekommene dieſes Volks, hin und wieder den land und gartenbau. Der Churfuͤrſt

ſelbſt war ein Herr von groſſem verſtande und kriegserfahrnuͤß, hielt ein anſehnliches kriegesheer, führte dieſelbe nach vorfallenden gelegenheiten ſelbſt an, und war deshalb bei

allen Maͤchten in Europg in groſſem anſe­hen; welches auch biele Leute vom ſtande, hon allerhand Voͤlkern veranlaſſete, ſich an feinen Hof als einer kriegs- und friedens­ſchule zubegeben, und daraus zu lernen. Und weil er nicht weniger ein Gottesfürchti­ger und gerechter Herr war, ſo nahmen die bedraͤngten aus andern Landen in groſſer menge ihre zuflucht zu ihm, denen er auch nachdrůͤllich ſchuz leiſtete, und dadurch die zahl feiner Unterthanen zu tauſenden ver­mehrete, wie man an den Franzoͤſiſchen Re­fugies, Pfaͤlzern, Wallonen geſehen, daß es wohl heiſſen mögen, wie man Jeſ. XI, 5. lieſet Fremde werden ſtehen und euere heerden weiden, und auslaͤnder werden euere akferleute und weingaͤrtner fein, Und hinterließ ſolchermaſſen dieſer Glorwuͤr­digſte Churfuͤrſt die Mark und andere feine Lande in einem völligen ruhigen und geſeg­neten ſtand, worin fie auch fein Preiswuͤr­diger Sohn und erbe der väterlichen Lande und tugenden, Friedrich der III. ferner erhal­ten, ſuchte durch oͤffentliche befehle die noch verwachſene Laͤnder zureinigen, und zum akkerbau, nicht weniger die hruͤcher zurauͤ­meu, und zur weide und viehzucht zuzuberei­ten; zierte das Land mit vielen ſchoͤnen Hauͤ­ſern und Schloͤſſern; errichtete feiner heiwoh­

nenden Gottesfurcht nach viel Kirchen, Schulen, Waiſen. und Witwenhauͤſer, bes foderte in den Staͤten die Manufacturen bon allerhand ahrten, alſo daß, was man ſonſten mit groſſen koſten aus anderen Landen anher bringen muͤſſen, man nunmehr binnen Landes mit weniger mühe und unkoſten bekommen koͤnnen: beſorgete inzwiſchen auch mit allem

fleiß den in feinen Landen einmahl befeſtigten

frieden zu erhalten; hielte aber nichts deſto­

weniger ſtarke Kriegesheere beides fein Land

vor aller beſorglichem gefahr in ſicherheit zu erhalten, und auswaͤrtigen Maͤchten in dero (gerechten angelegenheiten beizuſtehen. Wel­chergeſtalt auch Se. Koͤnigl. Majeſtat Friedrich Wilhelm, Hochſel. gedaͤchtnuͤß des Landes ſich mit dem gröffeftzn nachdruk angenommen, von den noch vorhandenen wuͤſten und unhebaueten Laͤndereien mit ers ſtaunlichen koſten einen groſſen theil noch brauchbar gemacht, durch ganz auſſerordent­liche einſicht in die wirtſchafft und mij­barkeit des Landes die Einwohner zu ei ner rechtſchaffenen nutzung ihres bodens als ein groſſer Wirt angefuͤhret; neue Einwoh­ner, ſonderlich auch verfolgte eingenommen; den Kriegsſtaat auf einen neuen zum ſchuz und zur ſicherheit des Vaterlandes abzielen­den fuß, das ganze Land und die regierung deſſelben aber in eine erſtaunenswuͤrdige ord­nung geſetzet; Kirchen erbauet; Waiſen­hauͤſer und die Charite bei Berlin aufgerich­tet; Manufacturen in den ſchwung gebracht: ſolches alles iſt annoch im friſchen, und wird, ſo lange die Mark ſtehet, in unausloͤſchli­chem andenken ſtehen. In ſulchem zuſtand haben Se. jeztregierende Königl. Majeſtaͤt nach abſterben Dero Glorwuͤrdigſten Herrn Vaters die Mark uͤberkommen, und nun int 10 jahr mit dem von den Allerdurchl. Vor­fahren gleichſam angeerhten eifer für das all gemeine beſte beherrſchet. Der heftig harte Winter von 1740, der Land, Vieh und Menſchen ausgemergelt und entkraͤftet, und der ſogleich mit eintretende Schleſiſche und Boͤmiſche Krieg, bezogen den heitern him­mel, der den anfang der regierung ſo ſehr fröhlich und angenehm machte, zwar mit tri­ben gewoͤlke, welches zulezt auch mit ſchweh­ren donnerſchlaͤgen und entzuͤndungen dro­hete. Allein die klugheit, vorſichtigkeit­herzhaftigkeit und großmuht unſers Groſſen Friedrichs vertrieb dieſes ungewitter, und richtete deſſen zulezt aushrechende ſchlaͤge auf die ſcheitel derer, die boͤſes im ſinn hatten, und verkehrten in wenig tagen die finſternß der furcht und klejnmuͤhtigkeit hei Ihro ge­treuen

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