Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
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479
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49 Dritter Theil, Naturgeſchichte der Mark Brandenburg. 1. Kap. 45o

X. Noch ein ander Luftzeichen iſt, ſo zu unſern zeiten mehr, als in den vorigen in er­wegung gekommen, und der Nordſchein oder Nordlicht, Aurora Borealis, genannt wird, indem ſich nordwaͤrts am himmel bei naͤcht­licher zeit ein heller glanz ſehen laͤſſet, als wann man des morgens den erſten anbruch des ta­ges zu ſehen pfleget, der auch bisweilen durch hervorſchieſſende ſtrahlen ſich beweget, und in berſchiedene farben und figuren ſich beraͤn­(dert. Dergleichen ſchon in uralten zeiten, ſelbſt Ariſtoteles Meteorologicorum Lib. I. C. 4. 5. gedacht, ingleichen Plininus Hiſt. Natur. L. II. C. 26. wenn er ſagt: faces, quae in coelo ardent,& veſtigia longa fa­ciunt,& trabes emicantes, und c. 33. lu­men de coelo noctu viſum fuiſſe C. Caeci­lio& Cn. Papyrio Cos.& ſaepe alias, ut diei ſpecies noctu luceret. Wannenhero auch nicht zu verwundern, wann Seneca Quaeſt. Natural. L. I. c. 15. meldet, daß er dergleicheu helle ſtriche geſehen, und in den geſchichten geleſen, daß der himmel feurig geweſen und das feuer hald hoch bis an die geſtirne, bald ſo niedrig geſehen worden, daß es von ferne gelaſſen, als wenn eine feuers­brunſt vorhanden geweſen waͤre. Und in dem mitlern zeiten finden ſich hin und wieder hei den Geſchichtſchreibern nachrichten von dergleichen Nordſcheinen, wie wir bald ſe­hen werden. Auch erinnere mich in meiner) jugend A. 1652. 1653. zu Herbſtzeiten et­liche mahl dergleichen, wiewohl nur helligkeit der Luft und des Himmels geſehen zu haben; wie dann auch nur noch A. 1709. den 8 Okt. in Schottland und in den nordlichen theilen von England zu Durham dergleichen Phae­nomenon wahrgenommen, wovon damahls viel Nachrichten eingelaufen. Unter denen aber in dieſen und den benachbarten Landen vorgefallenen begebenheiten dieſer ahrt iſt Dies jenige, ſo An. 1707. den 6 Maͤrz, der zeit Jaſten Sonntag geſehen worden, und von Ern. Christoph Matth. Seideln, In= ſpectore zu Tangermünde zu Schoͤnburg in der Altmark, in Berlin von Hrn. Gottfried Kirchen, und weil ſolches auch in andern Laͤndern erſchienen, zu Kopenhagen von Hrn. O. K. angemerket worden. Hr. Kirch erzeh­let dabon, daß in dem er gedachten 6 Maͤrz zu abends um 8 uhr bei damahls klarem Him­mel beſchaͤftiget geweſen ſůüͤdenwerts eine Ob­ſervation uͤber den Jupiter zu machen, er erinnert worden, daß ſich nordenwaͤrts ein ungewoͤhnliches Phaenomenon erauͤgete: hatte ſich alfa dahin gewandt und ein helles

Licht in der geſtalt eines Regenbogens,

wiewohl weit breiter wahrgenommen, deſſen auͤſſerſte enden bei 10 grad ungefehr in den geſichtskrais von einander geſtanden. Das obertheil dieſes lichten hogens waͤre ungefehr 10 grad über dem geſichtskrais erhoben gewe­fen. Der Neue Mond haͤtte zwar dem weſt­lichen ende dieſes bogens zur linken hand ge.

ſtanden, und etwas licht gehabt, es waͤre aher

im vergleich mit dieſem ſchoͤnen Lichte nicht zu achten geweſen, und haͤtte alſo nicht da­bon herkommen köoͤnnen, wie dann auch der Mond bald darauf untergegangen wäre, Die Sonne hätte es auch nicht verurſachen koͤnnen, weil fie ſchon fo weit unter dem ho­rizont geweſen, daß ſie nicht die geringſte daͤmmerung mehr, vielweniger ein ſo klahres licht machen koͤnnen, welches man dem hellen ſchein des Monden vergleichen koͤnnen. In= dem er nun dieſen hellen bogen mit verwun­derung angeſehen, ſo waͤren bon dem horizont herauf unterſchiedene helle Strahlen faſt auf die ahrt, wie die Raqueten, in die höhe ges ſtiegen, auch nicht mit einiger feuer⸗ oder roͤhtlichen farbe, ſondern wie lichte ſeulen, die auch zum theil etwas zu beben geſchienen, und nebſt dem bogen ein ſo helles licht von ſich gegeben, daß auch das laternen licht da­durch gleichſam verdunkelt worden: dieſe ſtrahlen hatten ſich auch bald hier bald dort erhoben, nicht wie ein blitz, ſondern nur lang­ſam: die zahl derſelben hätte man ſo eigent­lich nicht treffen koͤnnen, weil fie nicht bee ſtaͤndig geweſen, ſondern gleichſam wechſel­weiſe eine hier die andere anderswo entſtan­den. Zwiſchen dieſen ſo hellen ſtrahlen hatte

ſich eine dikke ſinſternuͤß gezeiget: dergeſtalt

daß dieſes ſpeltakel etwas majeſtaͤtiſch und zugleich entſetzlich zu fein geſchienen. Eb wäre auch dieſe ſinſternüß nicht hon den wol ken hergekommen, ſondern des Himmel ſelbſt geweſen, weil man in derſelben die ſternen durch ein ſeherohr von zwei fuß ſehen koͤnnen, wie dann auch in dem hellen bogen ſolches ge­ſchehen. Dieſes ſtrahlen ſchieſſen hätte bei einer halben ſtunde gewaͤhret. Uher dem bogen aber bei 30 grad vor dem horizont hätte ſich noch ein ſolcher bogen gezeiget, wie­wohl an etlichen orten wie durchbrochen, haͤtte auch nit den enden nicht bis in den horizont gereichet, und ware um 9 uhr alle gemaͤhlich verfichwunden; der ander und oft­gemeldte aber hätte länger geſtanden, iedoch ſich immer mehr nach dem Horizont geniedri­get. Er der Hr. Kirch hätte auch nachdem

er ſich von dem Obſervatorio herunter bege­

ben, nichts mehr von ihm geſehen, iedo wahrgenommen, daß der. Himmel noch.

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