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483 Dritter Theil, Naturgeſchichte der Mart Brandenburg. J. Kap. 484
ſtrahlen und deren vielfältigen veraͤnderungen große ſchwierigkeit geſetzet es zu einer völligen gewißheit zu bringen. Und übers laͤſet man dem Geneigten Leſer, die von dies ſer ſache hin und wieder von den Aſtronomis und Phyſicis gemachte beobachtungen
und anmerkungen, auch die gruͤnde, womit
ſie ihre erklaͤhrungen dieſes Luftzeichens bes ſtaͤtigen, zu überlegen und zu beurtheilen. Von der urſache derſelben iedoch etwas weniges zu melden, fo halten einige dafür, daß die in der Nordſee gebrochene und die gegend unter dem Nordpol treffende ſtralen der Sonnen dieſes Phaenomenon verurſachen, welche, weil das waſſer in beſtaͤndiger bewegung iſt, auch in der luft oder dunſtkugel beſtaͤndig ſich bewegen müßten; inſonderheit da es in Norwegen und Schweden ſehr oft geſehen werde, welche oͤrter von dieſem Meer umgeben werden. Wie aber dieſes brechen der Sonnenſtrahlen nicht hinlaͤnglich, alle dabei vorgehende veraͤnderungen zu erklaͤren; alſo hat man anderweitig auf andere urſachen gedacht. Und der Hr. Halley hat die ſache aus der Magnetiſchen materie und deren declination geſuchet zu erklaͤhren. S. Acta Societatis Londinenf; N. 347. ſ. 406. Andere ſuchen den grund hiervon zwar auch in der unter dem horizont ſtehenden Sonne und deren ſtrahlen: aber nur in ſo fern ſelbige in den ſchatten der Erde und deren dunſtkugel gehen, und daſelbſt gebrochen werden, eben
wie Keplerus in Paralipom. ad Vitellionem
ſ 280. Welche meinung der Hr. Weidler in Wittenberg annimmt, und eine ſchweflichte materie zu huͤlfe nimmt, wie er in einer be
ſondern Abhandlung ſolches vorſtellig machet.
Andere nehmen ſolche ſubtile ſchwefelichte und ſalpeteriſche duͤnſte und theilchen an, ſetzen fie aber ſehr hoch über die dunſtkugel hinaus, woſelbſt ſte entzündet, und dadurch auch andere duͤnſte mit erleuchtet werden: wie der Herr Baron von Wolf dieſe meinung vortraͤget in der erklaͤhrung des 1716. beobachteten Nordſcheins, und in feiner Phyſic oder wurkungen der Natur IIx. kap. S. 333⸗ 335. woſelbſt auch die vorhergehende meinung gepruͤfet, und die urſachen aus den nachgehends erhaltenen vielen beobachtungen ſehr deutlich erklaͤhret werden. Noch andere ſinden in der gegend wo das Phaenomenon geſehen wird, gewiſſe licht und feuerfangende theilchen, welche von den Sonnenſtrahlen erleuchtet werden, und vermoͤge der verſchiedenen bewegung und richtung derſelben ſolch es Euftzeichen ausmachen. Der Hr. von Mairan holt dieſe theilchen aus
der Atmoſphaͤre oder dunſtkugel der Sonne her, wo er das Lumen zodiacale hinſetze von wannen dieſe kleine theilchen an den ort gebracht wuͤrden, wo ſich der Nordſchein ſehen laͤſet. Der Hr. Prof. Euler aber lettet dieſe theilchen, fo das Nordlicht vorſtellen, mit mehrerm grund aus der dunſtkugel der Erde ſelbſt her; und behauptet, daß dieſelbe von den Sonnenſtrahlen, welche die um den Nordpol gelegene Länder beſtreichen, und daſelbſt den ganzen dunſtkrais durchdringen, fortgeriſſen, und zu einer ſehr groſſen höhe
uͤber die erde erhaben werden: allwo fie fo,
dann theils entzundet, theils erleuchtet, und verſchiedentlich herum getrieben werden und das Luftzeichen bilden, welches wir den Nordſchen nennen. Dieſe erklaͤhrung gründet ſich
darauf, daß die Sonnenſtrahlen bermoͤgend
ſein, ganz ſubtile theilchen, auf welche ſie ſtoſſen, in bewegung zu ſetzen und fortzutreiben. Dieſe kraft wird dadurch heſtaͤtiget, daß, wann man ein feines pulver oder ſtaub in den Brennpunkt eines ſtarken Brennſpiegels leget, daſſelbe gänzlich durch die ſtrahlen zerſtreuet wird: welche wuͤrkung keiner andern urſach, als dem ſtoß der Sonnenſtrahlen zugeſchrieben werden kann. Wann ſich alſo die Sonne in unſern gegenden uͤber dem Horizont befindet, ſo werden von dieſer kraft der ſtrahlen die in der Luft befindliche ſubtile theilchen abwaͤrts gegen die Erde getrieben. Woraus eben keine beſondere wuͤrkung entſtehet: allein in den gegenden um den Nord
pol herum muß daher eine ganz andere wuͤr
kung hervorgebracht werden; weil daſelbſt die Sonne mehrentheils nahe am horizont erſcheinet, und alſo die kleine in der luft befindliche theilchen nicht abwaͤrts, ſondern vorwaͤrts ſtoßt, und ſolchergeſtalt immer weiter wegtreihet, bis fie endlich gar aus der grbern luft auf eine ſehr erhabene gegend gebracht werden. Die Strahlenhrechung traͤgt vu dieſer wuͤrkung auch ſehr vieles hei: indem dadurch die Strahlen einen weit laͤngern weg durch die Luft nehmen, und auch die fortgeriſſene theilchen mehr bon norden ſuͤdwaͤrts abtreiben, fo daß dieſelbe über unſeren gegenden zu ſtehen kommen. Die vol ſtaͤndige beſchreibung dieſer erklaͤhrung findet ſich in der Niſtoire de ł Academie Roiale bon 1746. ſ. 117. ſonderlich 133. da fie ehr Deut lich vorgeſtellet, und durch die beigeſezte ſiguren ganz faßlich und begreiflich gemachet, zugleich auch der Schweif der Kometen, und das Lumen zodiacale aus gleichen urſachen erklaͤhret, und allem anſehen nach auſſer zweifel geſetzet wird. Der
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