Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
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533
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33 Dritter Theil, Naturgeſchichte der Mark Brandenburg. J. Kap. 534

bekannt, daß der Allmaͤchtige deren nur zu ausführung groſFſer und wichtiger vorfaͤlle, ſonderlich in feiner Kirche ſich bedienet, wozu die ſonſt angegebene fälle von peſt, krankhei­ten, krieg, theuren zeiten keinen tuͤchtigen ſtof hergeben können, als welche ſonſt auch ohne der­gleichen vorboten über ein Land kommen. Mit welcher reflexion man dann auch dem vorgehen bom bluht begegnen will, ſo in dem broht 1555. und 1583. welches der Probſt Colerus auch will geſehen, und ein ſtuͤk da­von gehabt haben,(ſiehe deſſen vorrede über Udalr. Zanci beſchreihung einer mißgebuhrt) und in dem ſemmelbroht 1503. ingleichen noch 1667 ſoll fein wahrgenommen worden: welche wo es nicht hon einer unter das broht oder mehl gemiſchten materie oder ſchimmel herkommt, fuͤr eben ſolche zeitung zuhalten, als wohl zu unſern zeiten von vorwitzigen und luſtigen gemuͤhtern noch manchmahl bon im broht gefundenen nadeln, beſeſſenen ꝛc. auf die hahn gebracht worden: die aber wann ſie geglauhet werden ſollten, nicht Leute von ge­genwaͤrtigen, ſondern von 13 und 14 jahr­hundert haben mußten, welche ihren reli­gionsgruͤnden zu folge ohne unterſuchung glauben muͤſſen, was ihnen ſonderlich von ih­ren Geiſtlichen vorgeſaget wird. Sonſt hat man A. 1737. am h. abend vor

Weihenachten bei Straußberg wahrgenom̃en,

daß der Straußſee daſelbſt ganz roht ausgeſe­hen, als waͤre das waſſer mit Bluht vermenget. Bald ging die rede, der See bei Straußberg waͤre Bluht geworden. Nachdem das waſſer verſchiedentlich unterſuchet worden: hat zwar wollen gemuhtmaſſet werden, daß es von ei­nem im grunde bluͤhenden kraute oder wur­zeln herruͤhre; allein der wahre grund hat geſtekt in den dabei gelegenen Ellern, welche ausgehguen worden, da ſich aus den wurzeln und ſpaͤhnen ein ſaft abgeweichet, der nach und nach durch die erde in den See gedrun­gen, und weil es ſubtile holztheilchen gewe­fer, ſolche ſich oben geſetzet, und die farbe ver­urſachet; wie ſich ſolches gezeiget, wann man waſſer dabon in einem glaſe ſtehen laſſen. Dann da hat ſich oben das rohte wie eine feine faule borke geſetzet. Womit denn zu­dergleichen, was unten bon der farbe des Spreewaſſers wird geſagt werden. IV. Th. Der Hr. D. Gleditſch, der dieſe ſache unter­ſuchet, hat befunden, daß die am Strauß ſee gelegene Elſenbruͤchet, deren quellen ſich in den See ergieſſen, berſchlamt, verſtopft, und in langer zeit nicht recht gangbar geweſen, ö. da fie auf einmahl aufgeraümet worden,

urch eingefallenen anhaltenden regen auf

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einmahl eine groſſe menge von einer zarten rohten Eiſenerde, wie die fublimation mit SX gezeiget, welche mit leichten ſchlam ber­menget geweſen, in den See gefuͤhret wor­den, wodurch die rohte farbe entſtanden. Ein gallertartiges gewaͤchſe aber, welches beim Linnaeus Flor. Suec. 369. Tremella pli­cata undulata, ſonſt aber vom Gemeinen Mann Sternenhutz genennet wird, hat die bluhtige lappen im waſſer vorgeſtellet: wel­ches derſelbe auch bei dem Dorfe Johaunes­felde in dem Wieſengraben und in Gerlsdorf an den quellen bemerket. Ob es mit einem See bei Zolnow unweit Soldin, der 1629. 31 Mai auch bluhtig ſoll ausgeſehen haben, gleiche bewandnuͤß habe, laͤſet man dahin ge­ſtellet ſein. Sonſt wird dieſe farbe auch veranlaſſet durch gewiſſe inſecta oder wärmer wie beim Swammerdam Hiſt. de Inſect. Q. LX X. und in des Hrn. Linaei brief an rn. Elvius zu erſehen, von unſern Hrn. Phy­icis in Berlin aber, ſonderlich dem ſel. Hrn. D. Neumann erwieſen worden. XXI. Auch gedenken unſere Geſchicht­ſchreiber der Schwefelregen, und erzehlet ſonderlich Angelus ſ. 381. daß 1579. am 21 Mai ſich zu Stendal und daherum auf dem felde ein ſchreklicher Schwefelregen ergoſſen, dabei die gaſſen, kirchhoͤfe und After voll zermalmeten ſchwefelpulbers gelegen: welches er dann feiner gewohnheit nach für uͤbernatuͤrlich, und für einen vorboten hebor­ſtehender gerichte gehalten; weil es weder thau, noch eine art von reif occhchyyn fein koͤnne. Allein die erfahrung lehret, daß dieſe materie, ſo drukken als fie auch gedoͤrret iſt, dennoch weder durch entzuͤndung, noch durch den geruch die geringſte bermuhtung gebe,

daß es ſchwefel ſei, obwohl der Hr. B. Sie­

gesbek ſolches gegen den Hrn. D. Degener zu Niemwegen ſuchen zubehaupten. Im ge­gentheil hat man befunden, daß es die von gewiſſer bauͤme bluͤhten, ſonderlich von Sich: ten, Weiden und Haſeln, abgegangene in der

warmen Luft herum fliehende kleine theilchens

fein, welche vom Regen überfallen und here unter geſchlagen werden: geſtalt die fo ange: troffene materie wann ſie ganz trokken wor­den, eben die wuͤrkung hervorbringet, wann fie ins licht geblaſen wird, welche man in glei­chen umſtaͤnden an dieſerlei hlůhtenſtauͤblein gewahr wird. Daher dann auch nicht zu verwundern, daß dergleichen Regen, ſonder­lich im Fruͤhling ordentlicher weiſe zu fallen pflegen: weil dieſe ſtauͤblein nur um dieſe zeit anzutreffen, und lange in der Luft muͤſſen herum und dem Regen aus dem wege getrieben

worden