V. Zur linken hand nimmt die Oder nahe bei Kroſſen den Bober, einen berühmten Schleſiſchen Fluß an ſich, und gehet vorbei die Dörfer Alt⸗Rehfeld, ſo dem Magiſtrat zu Kroſſen zugehörig, und einen kanvnenſchuß davon ablieget, Neu⸗Nehfeld 3 meile davon, fo zu dem Amt Kroſſen gehoͤret; imgleichen die 4 folgende, Munchsdorf, dichte an der Oder, Pfeiferan einen kanonenſchuß dabon ab, Vorwerk Sorge, einen kanonenſchuß davon, Neuendorf dichte daran, ſ alle dem Amte Kroſſen gehören: Ferner Niemaſch Kleba, welches auf Teutſch wurde heiſſen Kein Broht, ſo dem Magiſtrat zu
Guben zukommt, und etwa einen kanonen
ſchuß davon ablieget, Lahme, auch etwan einen kanonenſchuß dahon, Kutſchern nahe an der Oder gegen Schiedlo uͤber, Ratzdorf, auch dichte an der Oder und nebſt den heiden vorherſtehenden dem Herrn Abt zu NeuenZelle zugehörig, woſelbſt auch die Neiſſe hineinfällt, fo gleichfalls ein berühmter Fluß iſt, der durch die Ober- und Nieder⸗Laußnitz gehet, und in denſelben unterſchiedene kleine Flůſſe annimmt. Die Oder aber berähret hierauf das Staͤtlein Furſtenberg, ſo auch dem Kloſter Neu⸗Zelle zugehoret, ie doch der Evangeliſchen Religion zugethan iſt; und erreichet endlich die Schlubbe, welche ſich unfern dem Univerſitaͤts Dorf Wriezig dahinein ergeußt, und zwar ein kleiner aber vorlaͤngſt bekannter Fluß iſt; indem ſie vor langen jahren her zu einer graͤnze zwiſchen der Laußnitz und der Mark gedienet, anbei den alten urſprungsnamen der Slaviſchen Nation, Slowa beibehalten: Iſt aber zu unſern zeiten noch bekannter worden, indem vermittelſt derſelben die zuſammenfuͤgung der Oder und der Spree befördert worden, wobon alſofort mit mehrem ſoll gehandelt werden. Sie entſpringet etwan anderthalb meilen von dem Kloſter Neu⸗Zelle bei Heinzendorf aus den Kohlgaͤrten, allwo ſie ſehr klein iſt, und gehet von dar in einen See, die Wirſchenau genannt, treibet darauf ſofort eine Mahl- und Schneidemuͤhle, fo man abſponderlich die Schlubiſche Mühle heiſſet, und naͤhſt dieſer noch verſchiedene andere, in allen bei neun Mahl⸗ uud eilf Schneidemuͤhlen, auch einen Kupfer⸗ und Eiſenhammer. Die Örter ſo daran oder nicht weit dabon liegen, die auch die Muͤhlen daſelbſt benennen, fein Brems dorf, Kieſelwitz, Rage, das Stat lein Muͤlroſe, allwo fie. ſich in die daſelbige groſſe See ergeußt, und von dar weiter zwi: Chen den beiden Dörfern Oher⸗ und NiederLindow, deren jenes zu dem Amt Biegen,
1013 Vierter Zeil; Alb. Von den Flůſſen der Mark Brandenb y. Kap: 1014
dieſes der Univerſitaͤt zugehoͤret, ihren weg vorbeſagtermaſſen nach der Oder zunimmt, und erſtrekt ſich der ganze lauf ungefehr auf VI. Was denn ferner die zuſammenſetzung der Oder und der Spree vermittelſt der Schlubbe oder ſogenannten Neuen Graben belanget, ſo iſt zuvoͤrderſt zumelden, daß der Oderſtrohm vor dieſem, ehe Schleſien zu der Krone Boͤmen gekommen, zur Schiffahrt wenig hrauchbar geweſen, weil bei waͤhrender regierung der alten Fuͤrſten und Herzoge der orten, da ſelbige ſich noch zu dem Pole niſchen Reiche gehalten, die Einwohner ihnen die nutzung deſſelben nach belieben angemaſſet, und zu dem ende hin und wieder wehren, und Muͤhlen in und an dem Strohme aufgerichtet, ſo daß kaum möglich geweſen mit groſſen Fähnen auf⸗ und abzufahren. Nachdem aber Konig Johannes in Boͤmen dieſes Land bekommen, und ihm vorgeſtellet worden, daß nicht allein der Schleſien,(ons dern allen umliegenden Landen ein merklicher groſſer nutzen erwachſen wuͤrde, wann dieſer Strohm mit hindanſetzung aller bisherigen privatvortheile ſchiffreich gemachet würde: fo hat er den ſchluß gefaſſet, ſolches nuͤtzliche werk fortzuſetzen, und zu dem ende A. 1337 eine oͤffentliche verordnung ergehen laſſen, daß die Oder von Brieg bis gen Kroſſen durchaus ſechszehen ellen und eine ſpanne hreit bis zu grunde offen ſein und bleiben ſolte: damit die ſchiffe und ſiſche frei unverhindert auf⸗ und abgehen mochten: n Deſſen worte aus dem Edict von A. 1337 in Craſtino Annunciationis Beate Marie, in fo weit fie hieher gehören, zu leſen ſein in der Beſchreibung von Frankfurt ſ. 39. Dieſes hat nachmahls Kaiſer Karl IV. A: 1349 in einem beſondern Schreiben an die Stat Breslau wiederholet, davon die worte am angefuͤhrten ort ebenfalls zuleſen, wie auch eben dieſes Kaiſers allgemeine verordnung bom jahr 1355, welches noch viel deutlicher lautet. VII. Weil ihm aber nach der zeit andere geſchaͤfte vorgejallen, und bei feinen Nachkommen gleichfalls ſich allerhand ſchwere kriege und ſonſten veraͤnderungen eraüget, fo iſt die ſache liegen geblieben, und endlich gar in bergeſſenheit gekommen; iedoch nach vielen iahren wieder hervorgeſuchet worden; und haben A. 1527 Fuͤrſten und Staͤnde in Schleſien bei König, nachmahls Kaiſer Ferdinand J. bon ſelbſten um rauͤmung der Oder angehalten, und inſonderheit, daß die erzehl
te Koͤnigl. verordnungen möchten vollzogen
werden. Alldieweil aber auch die Stat Franl