Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
Seite
1049
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eingeftürzet, und dem waſſer eben wie die bo­

rige durchbruͤche bei Kuͤſtrin einen freien weg

in den Bruch geöfnet, und in wenig ſtunden

die ganze Bruchgegend unter tiefes waſſer ge­

feet, welches um deſto leichter geſchehen

konnte, weil das qualmwaſſer von untenher

die niedrige oͤrter ſchon ziemlich angefuͤllet atte. i..

f Bei Kuͤſtrin ging es 2 ellen hoch über die

Bruͤlken, und wurden deren viel von dem nach

Reutwen hingehenden groſſen Damm hin­weg geriſſen, wurde auch den Bruͤkken bei der FJeſtung nicht anders ergangen fein, wann ſelbige nicht auch mit groſſen ſteinen waren beſchweret und damit befeſtiget worden. In der Feſtung ſelbſt war das waſſer bis an den

ſogenannten Rennplatz eingedrungen, daß

niemand zu fuß aus⸗ oder einkommen koͤn­nen, wo man nicht his an die arme in waſſer gehen wollen, oder man hat der kauͤhne und faͤhren ſich bedienen muͤſſen. Die lange Vor­

ſtat und der Kiez ſtunden his an die helfte

der hauͤſer im waſſer, weiches auf der andern

ſeite auch uͤber den kurzen Damm wegging,

und ſelbigen hin und wieder wandelhahr ge­macht und ſtuͤlken ausgeriſſen.;

In Wriezen war bis 14 Jul. das waſſer in die ſtaͤlle auch einige hauͤſer getreten, und

am 21 ſtunden die helfte hauͤſer im waſſer,

daß ſowohl Einwohner, als die eingequar­tirte Reiterei ſamt ihren pferden in der Stat andere wohnung und ſtallung beziehen, und manches haus 40 bis 60 Menſchen beher­bergen muͤſſen. Durch das Frankfurter Thor mußte man mit Kaͤhnen aus⸗ und ein­fahren: viel hrunnen und keller fielen ein, ei­nige hauͤſer hekamen riſſe, und in den Kir­chengewoͤlben ſtund das waſſer manns hoch.

Gleiche bewandnuͤß hats faſt gehabt mit

Freienwalde, Oderberg, Schwet, da die nies drig gelegene hauͤſer uͤberſchwemmet, bei lez­tern auch nach gaͤnzlicher uͤberſchwemmung des Damms und hinwegtreibung fuͤnf Bruͤk­ken, die groſſe Bruͤkke aufgehoben, mithin das gewerbe mit der Nieumark abgeſchnitten wor­den, welches zuerhalten man ſich nach faͤhren bei denen zu Freienwalde umgethan. Die in dem Bruch und an der Oder gelegene Doͤrfer haben alle im waſſer geſtanden, ſo tief, daß daſſelbe durch die fenſter in die hauͤſer hinein, bei den meiſten aber bis an das dach gegangen, man auch uͤber zauͤne und gaͤrten ganz ſicher wegfahren koͤnnen: geſtalt dann S waſſer, wie man zu Wriezen angemerket am 26 Jul. 6 ellen und 5 zoll höher geſtanden, als es ſonſt um dieſe jahrszeit zuſtehen pfle­get; oder wie es zu Oderberg angemerket IV. Theil der Maͤrk. Ziſt.

1049 Vierter Theil,! Abth. Von den glluſſen der Mark Brandenb. M Kay. 1050

worden, 11 werkſchuh 4 zoll hoͤher, als es ſonſt bei groſſem waſſer zuſein pfleget. Da­her die Einwohner auf die hoden, ihrer viele nach andern orten, auf huͤgel oder erhabene gegenden mit ihrem vieh fluͤchten, und ihre wohnung unter freiem himmel aufſchlagen,

auch daſelbſt eine geraume zeit ſich aufhalten

muͤſſen. Dieſes ſchikſahl haben ſonderlich die

Dörfer, Groß⸗Bahren, Klein⸗Bahren, Treh.

bin, Lettin, Gr. und Kl. Bornim gehabt, deren Einwohner zuſammen mit dem Vieh auf einen erhabenen Werder ſich begehen. Wobei noch zuerwehnen, daß der Inſpector zu Wriezen, Hr. Kretſchmann am 8 6 Trin. oder 22 Jul. ſich zu ſchiffe dahin begeben, und den Gottesdienſt unter freiem himmel, feine predigt aber über. Jahum J. 7, 8. zu den nohtleidenden Zuhörern aus dem ſchiff gehal­ten, dergleichen auch naͤhſtfolgenden 9 O rin. bei Reez geſchehen. Worin er dann zwar dem in den Legenden predigenden H. Fran­ciſcus, mit mehrem grund aber dem Herrn Chriſto aͤhnlich geworden; iedoch mit dem unterſcheid, daß er nicht wie jener den Fi­ſchen und Meerwundern, ſondern vernuͤnfti­gen und lehrbegierigen Menſchen geprediget; und nicht, wie dieſer, wegen menge der Zu­hoͤrer, wiewohl es daran nicht gemangelt, ſon­dern wegen menge des waſſers und aus noht das ſchif zur kanzel machen muͤſſen. Sonſt iſt kein wunder, wann alles in ſol­chen gegenden voll angſt, furcht, ſchrekken und

wehklagen bei dem vieh nicht weniger, als bei

den Menſchen geweſen; inſonderheit bei ſo langwierigem gewaͤſſer, welches ganzer 6 wo­chen geſtanden, die noht ganzer 3 wochen unterhalten, und am S. Jakobstage erſt ange­fangen zuſinken, binnen welcher zeit alles was vorraͤhtig geweſen, aufgezehret, und weil das gewaͤſſer eben in die erntezeit eingetre­ten, weder graß noch heu oder getreide vorhan­den geweſen, ſondern man bon dem leben muͤſ­ſen, was durch kaͤhne zugefuͤhret worden, wel­che dazu wie leicht zuerachten, ungemein beinoͤhtig geweſen. Der ſchaden, den dieſe Waſſerfluht ange­richtet, iſt unberwindlich geweſen. Alles Getreide auf dem felde, alles Heu auf den wieſen, alles Graß auf den huͤtungen iſt weg­geſchwemmet, und dem Eigenthuͤmer ent­riſſen, aͤkker und wieſen verſandet und ver­ſchlemmet, neue loͤcher und luchen in die Erde gemacht, unzaͤhlig viel holz hinweg ge­trieben, Hauͤſer eingeriſſen, oder ſonſt gaͤnz­lich hingerichtet, die Einwohner aber in die allerklaͤglichſte umſtaͤnde geſetzet worden. Der mangel der zufuhr und lebensmittel zog für Xxx ſi