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to5 Vierter Then. Abth. Von den Flüffen der Mart Brandenb. nig. 1052
ſich ſchon krankheit und ſterben nach ſich bei
des unter Menſchen und vieh, daß kein haus ohne Kranken, und unter 6 bis 10 Perſonen
kaum einer auf den beinen war, der mit ge
nauer noht vieh und Menſchen eine kuͤmmerliche handreichung thun koͤnnen. Dieſes uͤbel wurde aber auch ſowohl erreget, als hefördert durch andere dinge. Die Leute hat» ten in der lang anhaltenden feuchtigkeit vom waſſer und dumpfigen erdboden geſeſſen; davon ſie ganz ſchwindelich worden, als waͤren ſie trunken; hatten in langer zeit nichts warmes, und endlich die ſiſche und krebſe auch wohl ohne ſalz genoſſen, welche ſie in dem zurüf gebliebenen waſſer in den tuͤmpeln und pfuͤtzen, ſelbſt in ihren hauͤſern in ofens und kellern mit leichter muͤhe und hauͤfig gefangen, die auch wegen des ſcharfen laugigen waſſers hätten ſterhen und erſtilken muͤſſen, mithin ſelbſt krank waren. Und weil wegen bald einfallender kaͤlte die eingegangene waͤnde, keller und kachelofens in der geſchwindigkeit wieder gemacht, und die hauͤſer ſofort bewohnet worden: ſo entſtund ein ſchaͤdlicher qualm und ausdunſtung von neuem, wodurch die vorhin ſchon ſchaͤdliche duͤnſte mit der krankheit vermehret worden. Weil die Brunnen allenthalben uͤberſchwemmet, auch meiſtentheils eingegangen: mußten‘ fie ſich des waſſers von der fluht zu ihren ſpeiſen und getraͤnke bedienen, welches aber im hoͤchſten grad ſchaͤdlich und ungeſund war: geſtalt dann ſolches in der Oder ſelbſt ganz braunroht, wie fleiſchbekel, in den ausgetretenen oͤrtern aber uͤberdem auch ſchleimig, warm und ſo ſcharf befunden worden, daß es den Leuten, welche darin handthieren mußten, loͤcher in die fuͤſſe gefreſſen, und wer aus noht davon trinken muͤſſen, das zahnfleiſch angegriffen, und die zaͤhne zum ausfallen gebracht, auch weiſſe und rohte ruhr verurſachet. Welcher fehler des waſſers auch ſowohl durch vertroknung einiger bauͤme und gebuͤſche, wo es durchgegangen, als auch durch die nach dem fall deſſelben auf dem erdreich zuruͤk und liegen gebliebene materie zur gnuͤge angezeiget. Dieſe materie lag nach hinweg gefallenem waſſer wie ein gewand uͤber der erde, war auswendig aſchfarbig, inwendig und unten braunlicht, und einem gewebe oder ſubtilen filz oder leder nicht ungleich, eines, auch wohl drei meſſer ruͤkkens dikke, jedoch bald ſtaͤrker, bald ſchwaͤcher und dünner: hielt auch ziemlich
feſt zuſammen, ließ ſich iedoch von einander
reiſſen, oder mit einer ſchere durchſchneiden; und war wohl nichts anders, als das ſchlei= mige weſen, welches von dem theils in die
erde geſunkenen, theils in die luft herſchmun/ denen waſſer zuruͤlgeblieben, em hand auf feld und wiefen befindlichen ö chen derſetzet, durch die ſonnenſtrahlen aher getroknet und in einander geballen wor.
Das ſterben der Fiſche und Krehſe, und das
dieſe dem waſſer zuentgehen an die ſtrai
hinauf gekrochen, iſt nicht K ir truͤgliches zeugnuß, daß ſolches wager im höͤchſten grad ſchaͤdlich und ungeſund geweſen, und deſſen genuß nohtwendig krankheiten herurſachen muſſen. Die hauptkrankheit iſt en hitziges Fieber, und mit dieſem allerhand zu fälle. als Geſchwulſt, obſtructiones und emanſiones menſium, pasſiones hiſteric:e und colicae, Bluhtfluͤſſe, Schwindel, affe. us paralytici, Ruͤlſchnierzen, Schwimdfüchtige fieber, bei allen Mattigkeit, auch nach uͤberſtandener krankheit, herknuͤpft geweſen. Sehr viel ſein auch, wie gedacht, mit der rohten und weiſſen Ruhr hefallen worden,
welche allem anſehen nach von der ſchaͤrfe des
ungeſunden waſſers unmittelbahr hergeruͤhret. Wann bei der geſchwulſt die fuͤſſe auf gebrochen, ſo iſt der Kranke geneſen, wiederigenfalls aber geſtorhen, oder kaum, und nach ausgeſtandenem vielen ungemach entkommen. Wobei iedoch uͤberhaupt zumetken, daß, ohngeacht in den 18 angeſtekten Bruchdoͤrfern an die 1500 Kranken gewefen, doch nur wenige, und nicht mehr/ als 171, und zwar die meiſte zwiſchen J und 10 jahren, die wenigſte zwiſchen 20 und Jo jahren, und die mitlere anzahl zwiſchen 50 und do jahren
geſtorben. Allem anſehen nach würden über“
haupt die folgen dieſer Waſſersnoht weit be truͤbter geweſen, und das übel von krankheit und ſterben weiter gegangen fein, wann ni S. damahls regierende K. M. Friedrich Wilhelm, glorwürdigſten andenkens, auß Landesbaͤterlicher huſde das elend Diele hoch ſtbedrengten und hedrukten Leute(ic 34 herzen gehen, das Kuͤſtriniſche Magz in s. nen, und das borr ht ige mehl nach den ruh; doͤrſern, nach Wriezen und ſnſt führen, un den armen Leuten um ein erleidliches aut. theilen, auch 7 drewelkaͤhne mit Broht un Salz von Frankfurt nach dem Bruch abgehen laſſen, hiernachſt aber nach vernommen gut duͤnken des Sollegii ſanitatis, au 9 Koͤnigl. Jeld. MNedicum, Hrn. D Leſſer un Hrn. H Goͤlken, Prof, und Phyle Irdinarium aus Frankfurt in das ,. abgefertiget, und durch dienſame bon Berit und Frankfurt aus, dahin abgeſchilte ati neien, auch dienſame ſpeiſe und gett ant. in uhel ſelher vorgeheuget hatten; geſtalt,