Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
Seite
1097
Einzelbild herunterladen

Der Mellen, Mellenſee wird geſpeißt von dem Muͤlroſiſchen See, der aus der Schlube feinen zufluß hat. S. Schlauhe. Der Mellinſee. A U Der Melne, ſo nach Muͤlroſe gehoret, in welchem, wie im Wicegaſt, den Einwoh­nern vermoͤge privilegij von den Markgra­fen Otto und Albrecht 1275 erlauht iſt, wie­wohl nicht mit groſſen netzen, zu ſiſchen. Siehe Wicegaſt, und iſt der nur gedacht Mellen­

fee.]

Middewede..)

Der Miggelſee, die Miggel insgemein genannt, iſt in der Mittelmark wohl der merkwuͤrdigſte. Sie lieget vor dem Staͤt­lein Köpenik 2 meilen oberwaͤrts Berlin, und iſt von der Miggelbude bis Ransdorf eine halbe meile ohngefehr lang, und von den thus ren bis an einen ort, die Duͤmperlake ge­nannt ein viertelweges breit, der tiefe nach unterſchiedlich, und an einigen orten faſt unergruͤndlich, mit Fiſchen aber wohl ver­ſehen, welche inſonderheit bei winterszeit auf dem eiſe in ziemlicher menge gefangen werden, und einen angenemen geſchmak ha­

ben: ſo daß er gleichſam als eine mutter der

Fiſcherei auf etliche meilen ſowohl ober⸗ als unterwaͤrts geachtet wird. Und pflegen ſich die Fiſcher zu ſolcher zeit in der zuvorgedach­ten Miggelbude zuberſammeln. Nahe da­bei iſt ein haus, in welchem die Herrſchafft, wann ſie waͤhrender Jiſcherei zugegen gewe­ſen, ſich pflegen aufzuhalten. Wobei es ie­doch auch bei ſtůͤrmigem wetter oftmahls ges faͤhrlich iſt, und hat man exempel, daß die darauf befindliche fahrzeuge unter des waſ­ſers gewalt erliegen, und zu grunde gehen muͤſſen. Die Spree fleußt mitten durch, ſo daß man ſie gleich wie einen breiten fahr­weg von dem andern waſſer unterſcheiden kann: und moͤchte den namen nach vielleicht eine gleichfoͤrmigkeit mit dem bei den alten ſo beruͤhmten vorgebuͤrge Mycale in Aſien haben, den wahren urſprung deſſelben aber von dem alten Deutſchen wort mikel d. groß, als gleichſam eine groſſe See bekommen; gleichwie Mikkiloßs: min Sola Truchtin, magnificat, meine ſeele erhebet den HErrn hei den alten Teutſchen geheiſſen, wie ſolches Micraelius aus Bonavent. Vulcanii Tr. von der Gothiſchen ſprache Pommer. Chron. B.. 121. und aus dieſem wiederum Hr. Boͤdiker in ſeiner Mycale angemerket, wo­ſelbſt auch unterſchiedene andere vermuhtun­gen die abſtammung dieſes worts betreffende zufinden. Sie benennt auch die daran ge legene und aus vielen huͤgeln von unterſchie­ILV. Theil der Maͤrk. Aiſt. A

1097 Vierter Tech l Abth. Bon den Seen der Mart Brandenb l Sap. 1098

dener und zum theil gar merkwuͤrdiger höhe

zuſammen geſezte bergige gegend mit dem namen des Miggelbergs, ſo mit vielen ſchlan­

ken Eichen und Fichten beſetzet iſt, und auf deſſen hoͤheſten ſpitze eine Allee durchgehauen iſt, fo. gerade auf das Schloß zu Koͤpenik, und weiter jenſeit des Schloſſes durch eine andere durchgehauene Allée auf Berlin ges het. Man ziehet auch von einem gewiſſen Stein, ſo daſelbſt auf einem etwas niedrigen huͤgel lieget, und 7 fuß ohngefehr lang, und 6 fuß breit, und weißlich bon farbe iſt, aller­hand zeitungen von einem darunter berbor­genen ſchatz, welches zwar keinen grund hat, dieſes aber wohl ſein kann, daß einiges metall darin berborgen; weil er aus vielen kieß und

dergleichen ſcheinet zuſammen geſetzet zuſein;

die ſtuͤkken auch in vergleich mit andern ſtei­nen gleicher groͤſſe ziemlich ſchwer fein. In­gleichen erzehlet man, daß ſich vor dieſen eine anſehnliche Jungfrau daſelbſt ſehen laſſen, welche vorgegeben, verwuͤnſcht zuſein, und um dabon befreiet zuſein, verlanget hatte um die Kirche in Koͤpenik herum getragen zuwerden, ſo aber nicht gelingen wollen: nicht viel anders als man in den Geſchichten der Meluſine von dem König. Hemann in Norwegen und ſeinen Toͤchtern lieſet, und daher unſern Vorfahren ſo wenig koͤnnen berdacht werden, dergleichen ſuͤſſe phantaſien auf die bahne zubringen, als dem Urheber dieſes Romans, oder Saxoni Grammatico

und andern, wann ſie ihren Nordiſchen Prin­

zen und Prinzeßinen wunderliche und zum

theil unglaubliche begebenheiten beigeleget

und beſchrieben haben. Endlich wird auch borgegehen, daß man zu zeiten ein getoͤſe von

jagthoͤrnern und gebelle von hunden daſelbſt

gehoͤret: wovon zwar in dieſen zeiten nie­mand mehr etwas wiſſen will; iedoch wuͤrde ſolches vielleicht wahrſcheinlicher ſein, wenn man von andern oͤrtern in und auſſerhalb Teutſchland, ſo damit auch ſollen beunruhi­get werden, mehr gewißheit haͤtte. In­deſſen iſts an dem, daß es eine zur jagt ſehr bequeme gegend iſt, ſich auch daherum viel ſchwarz wildpret, wiewohl vor dieſem mehr, als ietzo finden laſſen; daß man auch von dieſen hoͤhen uͤberall herunter in allerhand liebliche gegenden ſiehet, und nicht allein un­terſchiedene Dörfer, ſondern nebſt Köͤpenik, Berlin, Altenlandsberg, Zoſſen und andere merkwürdige oͤrter mehr ins geſicht bekommt; ingleichen, daß dieſes ſo zunennende gebirge wegen feiner höhe den herumliegenden Staͤ­ten und Doͤrfern zu einem wetterzeiger Dies net, von welchem, wann er rauchet, ſie ein Aga a. unge­