Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1751)
Entstehung
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193
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193 Fünfter Theil, II. Buch, V. Kap. Von der Stat Havelberg. 194

genen E. Naht zuſtehenden ziegelſcheune, und gehoͤret zur Stat. Der Biſchofs­berg iſt ehedem mit dem Biſchoͤfl. Amt Plat­tenburg an die Herren von Saldern gekom­men. Die uͤbrige alleſamt ſein dem domſtift zuſtaͤndig und der Statkirche einverleibet, ſtehen mithin auch laut Conſiſtorialabſchied bom 2 Sept. 1704 unter der ſeelſorge der Herren Prediger dieſer Kirche. Die Ein­wohner des Wendeberges ſein Fiſcher oder Kiezer, welche gewiſſe freiheiten in der fiſche­rei haben, die jedoch von den Fiſchkauͤfern unterſchieden ſein, welche ob ſie gleich auch FZiſcher ſein, doch weit mehr freiheiten ges nieſſen; welches wohl vermuhtlich daher ruͤhret, daß leztere Teutſche geweſen, und über ein untern fus gebrachtes volk ſich auch ein mehres recht angemaſſet, und deſſen be­ſtaͤtigung auch leichter erhalten haben. Die ganze gegend iſt über alle maſſen angenehm und luſtig. Wie aber ſolches auf dem berge in die augen faͤllet: alſo wird auch dieſes alsdann in erwegung gezogen werden, wann wir den dom zum vorwurf unſerer hetrach­tung machen werden.

III. Die Kirche, welche von alten zeiten her den H. Laurentius zum Beſchützer ges habt, iſt das aͤlteſte oͤffentliche gebaüͤde in ber Stat: nachdem die uͤbrige gebaůde theils durch brand, theils in den kriegslauͤfen ſehr gelitten und der veraͤnderung unterworfen geweſen; wie dann A. 1627 die ganze Stat bis auf die Kirche, des Rahts marſtall, das

oſpital und noch ein klein haus abgebrant. 6 ihrem erſten anfang hat man zwar kei­ne nachricht: iedoch zeiget die bauahrt zur gnuͤge, daß es ein ſehr altes gebaude ſei. Da das fundament auch zu einem gewoͤlbe an­geleget zuſein ſcheinet; ietziger zeit aber das mauerwerk mit einem brettern boden bedek­ket iſt: fo laͤſſet ſich vermuhten, daß ehedem ein gewoͤlbe darauf geſtanden, welches aber durch brand und andere zufälle eingegangen. Und dieſes müßte lange vor 16438. geſchehen ſein. Dann in dem jahr hat ſchon das feuer ben brettern boden beſchaͤdiget, auch die thurmſpitze, alle glolken und die Orgel zu grunde gerichtet. Es kann dannnenhero auch von ihrer innerlichen beſchaffenheit nichts weiter gemeldet werden, als daß, da an der ſuͤd⸗ und weſtſeite die mauer ſich merk­lich geneiget, groſſe ſtuͤkken mauer, auch inwendig bor der ſakriſtei eine quermauer von grundaus, nicht weniger ſaͤmtliche inwendi­ge pfeiler hon grund aus neu aufgefuͤhret, V. Theil der Maͤrk. Ziſt.

die auͤſſere ſtrebepfeiler verſtaͤrket, in der Kirche aber die frauensſtuͤhle, Offizierkoͤhre und ſchuͤlerkohr, auch das gewoͤlbe von bret­tern gemacht, und wie der boden im hohen kohr mit gips uͤbertragen worden. Den an­fang nahm dieſer bau A. 1750: nachdem am O Trinit. in derſelben der Gottesdienſt mit 3 predigten war gehalten und der Hoͤchſte um gluͤllichen fortgang und ausgang der(as che war angerufen worden. E. Hochw. Domkapittel erlaubte der Stat⸗ und Berg­gemeine indeſſen ihren Gottesdienſt gemein ſchaftlich mit der Domgemeine zuhalten, der­geſtalt, daß vormittags heide luſpectores und nachmittags beide Diaconi im predigen ab­wechſelten.

Weil der damahlige Inſp. Hr. Franke eben unpaͤßlich war, ſo vertrat der Diaconus aus der Stat, Hr. Joh. Daniel Simon, deſſen ſtelle und hielt die erſte predigt im Dom, wel­ches dann in gutem frieden fort gedauert bis 1752. XXI O Trinit. da nur gedachter Diaconus als berufener Inſpector und Pa­ſtor die abſchieds⸗ und dankſagungspredigt hielte, der auch die ausgebeſſerte Statkirche am folgenden XXII Trinit. eingeweihet. Man war aber mit der völligen. ausbeſſe­rung noch nicht ganz fertig: als in eben dem jahr 1752 am 28 Jul. mittags zwiſchen 2 und 3 uhr ein heftiges gewitter mit donner und blitz entſtund, davon ein ſtrahl nahe durch das dach am thurm fuhr, viel dach­ziegel zerſchmetterte, die ſogenante trage­ſeule von der ſpitze des dachſtuhls an bis auf das hoͤlzerne gewoͤlbe, als wann ſie mit ei­fernen Feilen won einander geſpalten wäre, durchſchlug, vieles in kleine ſtuͤkken zertruͤm­merte, an der uhr auch ſchaden verurſachte, durch das hoͤlzerne gewoͤlbe über der orgel in die kirche und in derſelben bald hie, bald da­hin fuhr, doch weiter keinen ſchaden that als an der orgel, und daß die menſchen, die noch am geſtuhle arbeiteten, etwas betaubet wurden. Als was beſonders iſt bei dieſem gewitter bemerket worden, daß wie es uͤber Seehauſen hergekommen und auf Ratenow hingezogen, es auch an allen dreien orten die orgeln getroffen, an gedachten beiden oͤr­tern auch zu grunde gerichtet. Oh nun wohl die hieſige ſo ſtark nicht getroffen: ſo war ſie doch nicht brauchbar, und wird eben in dieſem jahr 1754 durch den orgelbauer in Ruppin Schulzen eine neue verfertiget.

Neben dem altar ſuͤdwaͤrts in der mauer iſt ein gedaͤchtnuͤsſtein eines gewiſſen von der Schulenburg mit ſeiner gemahlin: an

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