Heft 
(1927) 36
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sie wohl aus bestimmten Gründen absichtlich so gelegt waren; denn es waren richtige Gänge zwischen den Steinen, durch die man hin- und her­gehen konnte. Warum das so war, konnte niemand mehr erzählen. Mdl. aus Gielsdorf.

III. Der Schäfer auf der Stadtstelle.

Die alte Stadtstelle inmitten des Blumenthalwaldes war ein toter Ort geworden. Um 1348 hatte die Pest gewütet und viele Bewohner dahingerafft. Dann waren die Quitzows, die Pommern und die Hussiten gekommen. Mit Mord und Brand durchzogen sie Blumenthal. Der Ort Blumenthal ging in Flammen auf. Die überlebenden Einwohnern flüchteten nach Strausberg und Wriezen und sind niemals wiedergekommen. Das Mauerwerk der Häuser bröckelte auseinander. Stein auf Stein fiel her­ab. Blumenthal wurde ein wüstes Steinfeld. Schlingkräuter umwucherten im Laufe der Zeit die Steinhaufen; die alten Eichen, die den Markstein umstanden, wuchsen immer dichter zusammen. Neuer Nachwuchs schlug empor, drängte sich zwischen das Gestein und zersprengte es. Dichte Haselgebüsche schossen auf. Dorngestrüpp, Stachelbeer- und Johannis­beersträucher überwucherten die Steintrümmer und überall zeigten sich zwischen Gras und Unkraut dornige Büsche mit großen schwarzen Brom­beeren und den schönsten roten Mallinekens( Himbeeren). Kaum ver­mochte der Fremde sich durch diesen Irrgarten von Stein und Strauch hindurchzufinden. Die meisten mieden es auch, diese verwunschene Stelle zu betreten. Nur die Schäfer trieben furchtlos ihre Herde in diese Wildnis. Und was wußten sie alles zu erzählen!

Ein Schäfer, dessen Vater schon immer in diesem Irrgarten ge­hütet hatte, erzählte einer alten Frau, als sie ihn einmal auf einem Eichen­stumpf sitzend traf, auf diesem hätte sein Großvater alle Morgen einen Groschen gefunden( es war aber noch einer von den ganz alten, von denen 24 auf den Taler gingen); das hätte er aber niemand sagen dür­fen, sonst hätte er ihn nicht mehr bekommen. Er tat das Geld stets heimlich in einen Sack und bewahrte den an einem sicheren Ort. Einst mußte er ihn aber da fortnehmen, nachdem er 9 Jahre lang alle Tage seinen Groschen erhalten hatte, und versteckte ihn deshalb in seinem Strohsack. Als nun seine Frau das Bett macht, findet sie den Sack und schilt auf ihren Mann los, sie habe solange geglaubt, einen ehrlichen Mann zu haben, und sehe nun, daß er ein Spitzbube set. Da erzählte ihr der Mann, um sich vom Verdacht zu reinigen, woher er das Geld habe; aber des andern Morgens war auch kein Groschen mehr auf dem Eichenstumpf, und nie hat er wieder einen bekommen.

Ein anderer Schäfer erzählte einem Meier die Sage folgender­maßen: Ein Hirt fand auf dem Markstein jeden Morgen eine Silbermünze. Seine Frau, die sich über den blanken Schatz wunderte, quälte ihn, ihr zu sagen, wo er das Geld hernähme. Lange schwieg er, endlich auf vieles Andringen erzählte er ihr unter der Bedingung des Schweigens die Her­kunft der Schatzpfennige. Am folgenden Morgen fand der Hirt aber kein Geld auf dem Stein, dagegen hing seine beste Kuh in dem Geäst der da­beistehenden Eiche. Wie in Teufels Namen kommst du dahin?" rief er erstaunt und verdrießlich aus. Sogleich fiel die Kuh wie ein Stein vom Baum herunter und brach den Hals. Auf dem Stein aber hat seitdem niemand wieder Geld gefunden.

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Seltsam ist es auch, was dem Vater des Schäfers dort mit seinem Hunde begegnet ist. Solange er den nämlich gehabt, ist der Hund, der den ganzen Tag über nichts fraß, mittags in ein kleines Loch auf der