12
Stadtstelle gekrochen, und wenn er auch noch so dünn hineinging, kam er doch immer wohlgenährt heraus und hatte sich oft so rund gefressen, daß ihm die Wampe bis auf die Erde hing. Der Schäfer behauptete aber steif und fest: Da mütten Lüüde in west sinn, die den Hund föddert ⚫hebben."
Nach Kuhn( Märkische Sagen, Berlin 1843) u. Schwartz( Sagen der Mark Brandenburg); Zeitschrift für Ethnologie 1871, Heft 3, S. 195.
IV. Der gelbe Koffer im Blumenthalsee.
Wie einige Leute erzählen, ist die Stadt, welche einst im Blumenthal gestanden hat, in dem dortigen See untergegangen, und daher soll auch der große gelbe Koffer stammen, der ganz mit Eisen beschlagen ist und sich öfter auf demselben zeigt. Man sieht nämlich zuweilen einen solchen dort auf dem Wasser schwimmen; aber kein Mensch kann ihn herausziehen; und wenn die Fischerknechte ihn mit Stricken herausziehen wollten und ihn schon ganz sicher zu haben glaubten, waren die Stricke plötzlich wie abgeschnitten und der Koffer wieder an der alten Stelle. Ueberdies ist das Herausziehen sehr gefährlich; denn schon mancher, der es tun wollte, ist dabei im See ertrunken. Es muß aber recht was Wunderliches darin sein; denn am 2. Adventsonntage hört man den ganzen Tag über eine herrliche Musik wie von Pauken und Trompeten und auch Gesang, und die kommt aus dem Koffer. Ein Schäfer war einst gerade an diesem Tage mit einem alten Fischer und noch anderen dort in der Nähe, und es war ihnen allen schon den ganzen Tag wie Musik in den Ohren. Als sie nun dem See näher kamen, wurde diese immer deutlicher, und wie sie endlich am Ufer anlangten, sahen sie den Koffer und horten die Musik in ihrer ganzen Schönheit.
Schwartz, Sagen und alte Geschichten der Mark, S. 101.
V. Die untergegangene Stadt in Blumenthal.
Nicht weit von der alten Stadtstelle im Blumenthal liegt in stiller Waldeinsamkeit der Blumenthalsee. Alljährlich, so sagt man, fordere er sein Opfer. Wie alte Leute erzählen, ist die Stadt, welche im Blumenthalwalde gestanden hat, in diesem See untergegangen. An hellen Tagen blickt der sonst so ernste See freundlich auf und man hört eine wunderliebliche Musik von Geigen und Flöten aus dem Wasser herauftönen; die kommt aus der versunkenen Stadt Bumenthal. Hin und wiedre schwimmt auch ein großer gelber, mit Eisen beschlagener Koffer auf dem See, aus dem tönt ebenfalls gar herrliche Musik, daß Menschen und Tiere lauschend stehen bleiben, namentlich wenn aus dem Binsengürtel bezaubernder Gesang menschlicher Stimmen, gleichsam antwortend, dazwischen klingt.
Nach anderen Berichten ist aber die Stadt Blumenthal nicht im See versunken, sondern zerstört worden; die einen sagen durch Krieg und Brand, die andern durch die Hussiten. Vor mehr als 100 Jahren, so erzählte eine 73 jährige Frau, daß sie in ihrer Jugend von einem 83 jährigen Schäfer, der es von seinem Großvater vernommen, gehört habe, wie im Blumenthal einst eine sehr schöne Stadt mit guter Nahrung gestanden habe, die durch ein Erdbeben zerstört worden sei. Sie selbst habe noch den Kirchhof und den Grabstein des Predigers gesehen, auf dem mit großen Buchstaben zu lesen gewesen sei: Prediger Troschel, gebürtig aus Marienwerder." Der Zahlen des Geburts- und Todesjahres desselben könne sie sich aber nicht mehr genau entsinnen. Der Name Troschel kommt auch wirklich im alten Prötzeler Kirchenbuche vor