4. Der Teufel als Spielmann in Prädikow.
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Im Dorfe Prädikow, das in früheren Jahrhunderten in Hohen- und Niederprädikow geteilt wurde, befanden sich um 1600 4 Rittersitze; sie gehörten vier Brüdern von Barfus: Richard, Nikolaus, Valentin und Kaspar. Von ihnen waren 3, die beiden ältesten und der jüngste, auf ihren Höfen in Prädikow geblieben, während der drittälteste Bruder, Valentin, in die Dienste des Pommernherzogs getreten und dessen Oberjägermeister geals Valentin Barfus auf Besuch nach worden war. Es war um 1610, Prädikow kam. Es verstand sich von selbst, daß er von seinen Brüdern der Reihe nach bewirtet wurde. Der älteste, Richard, der auf dem ,, roten Hause" in Niederprädikow saß, hatte natürlich den Vorrang, und eine tüchtige Zechkumpanei wurde nach Sitte jener Zeit geladen. Man trank, man jubelte, man tobte und man tanzte auch. So kam die Mitternacht heran. Um Mitternacht aber legten die Spielleute müde und matt ihre Fiedeln nieder und sagten: ,, Wir können nicht mehr." Da sprang Nikolaus, der zweite der Brüder, mitten unter sie und schrie, während er mit der Faust drohte: ,, Weiter, weiter, und wenn der Teufel selbst aufspielen sollte!" Da erschien der böse Feind auf dem Ofen, mit der Sackpfeife unter dem Arm, grinste den Nikolaus an und spielte auf. Da fürchteten sie sich und ließen den Pfarrer holen, und als er kam, begannen sie zu beten und beteten, bis der Sackpfeifer verschwunden war.
Aber der Teufel war doch im Hause gewesen, und Unfrieden ließ er zurück. Fehde brach aus zwischen den Brüdern. Die beiden ältesten standen sich im Zweikampf gegenüber, und auf dem Grasplatz am Teich, hundert Schritt hinter dem roten Hause, fiel Richard, der älteste, von der Hand des zweiten Bruders, eben jenes Nikolaus, der den unheimlichen Sackpfeifer herbeigerufen hatte.
Der Teufel im roten Hause.
Gedicht von Gymnasialdirektor Kopp- Freienwalde( gest. 1881). Was erbraust heut heller Jubel, was Gesänge durch die Hallen In dem roten Haus am Walde, daß die Berge widerhallen?
Sieh: der Blumenthal, er flicht sich, leuchtend rings im Feuerschimmer, Um die alten Schloßgebäude, auf den Blättern Demantflimmer!
Bruder Valentin kam wieder, der sonst bei den Pommern zechte, Nikolaus war da, der zweite in der Barfus stolz Geschlechte, Auch erschien der jüngste Bruder, Richard hatte sie gerufen: Sie und all' die andern stürmten aufwärts auf der Freude Stufen.
Vom Gelage ging's zum Tanze. Die Trompeten und die Geigen Folgten kaum, sich überschlagend, noch dem ausgelass'nen Reigen; Toll und toller wird das Toben, daß des Saales Dielen knacken, Wangen glühen, Schweißesbäche rinnen ab die heißen Nacken.
Als die Mitternacht gekommen, sind halbtot die Musikanten, Lassen ihre Bogen sinken, die schon in den Händen brannten. Da hat Nikolaus, der Schlimme, sie mit Schreien und mit Toben: ,, Weiter, Fiedler, immer weiter!" laut und lauter angeschnoben.
,, Herr, es geht nicht, habt Erbarmen, unsre letzten Kräfte weichen!" ,, Wollt ihr euch nicht rühren, Hunde, soll statt euch der Satan streichen!" Kaum entfuhren ihm die Worte, ist der Boden aufgesprungen, Ist des tiefsten Grausens Bringer in den Tanzsaal eingedrungen.