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und wenn einer dort vorübergeht, kommt er bis dicht an das Schilf am Ufer; doch braucht man keine Angst zu haben, weiter kann er nicht kommen.
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Kuhn, Märk. Sagen, S. 195.
3. Die weiße Frau auf der Stadtstelle, in Prädikow und am Sauwinkel. Auf der Stadtstelle im Blumenthal zeigt sich in mondhellen Nächten öfters eine weiße Frau mit langem Schleiergewand, die ein verwünschtes Fräulein sein soll. Sie kommt aus den dichten Haselgebüschen an der Piche bei Biesow, durchstreift, hin- und herlaufend, die Picheberge und Bährends Eichen, umschleicht den Blumenthalsee auf der Seite nach dem Faulen See hin und überschreitet dann langsam die Stadtstelle; auf dem Marktstein bleibt sie eine Zeitlang stehen und schaut umher, als ob sie etwas suche. Bei einer Weile verschwindet sie dann leise wieder in dem Haselgehölz unter den Buchen. Manchmal, so wird erzählt, durchreitet sie auf einem prächtigen, mutigen Schimmel den Buchenwald.
Im Prädikower Oberdorf haben alte Leute früher eine weiße Frau gesehen, die mit bedächtigen Schritten von dem Rummelsberge, wo heute der neue Kirchhof ist, herabkam und durch die Ulmenallee nach dem Unterdorf wandelte, wo sie dann spurlos verschwand.
Gielsdorfer Holzfuhrleute beobachteten oft eine weiße Frau auf den Bergen am Sauwinkel zwischen Gielsdorf und Strausberg. Sobald sie aber an den Straussee kamen, war die weiße Gestalt verschwunden. Mündlich aus Prötzel, Prädikow und Gielsdorf.
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4. Der Blumenthalsee am Neujahrstage.
Wunderbares kann man am Neujahrstage am Blumenthalsee erleben. Da sieht man Leinen quer über den ganzen See gezogen; darauf hängt die allerfeinste Wäsche, und zwar so schöne Hemden, Ueberzüge, Handtücher, Laken u. dgl. mehr, daß sie wohl jeder gern haben möchte. Zum See führen dann ordentliche von Rasen gemachte Stufen hinab, und es scheint so recht einladend, als ob einer die Wäsche holen solle. Eine Frau kam auch einmal am Neujahrstage des Weges, und da der See immer an dem Tage zugefroren, heute aber gerade so fest war, daß man noch die Spuren der schweren Holzwagen sah, die darüber gefahren waren, konnte sie dem Gelüste nicht widerstehen und wollte sich eins der schönen Linnenstücke holen; aber wie sie hingeht und faẞt nur kaum die erste Klammer an, da gibt's ein fürchterliches Krachen, das Eis bricht unter ihr zusammen, und sie hätte unfehlbar ertrinken müssen, wenn ihr nicht noch die Fischer, die gerade auf dem See fischen wollten, zur rechten Zeit zu Hilfe gekommen wären. Andere erzählen, dies alles hätte sich auf dem Straussee zugetragen.
Schwartz, Sagen und Gesch. der Mark Brdbg., S. 101.
VIII. Das ,, Königsgrab" und die ,, Königsgräber" bei Gielsdorf.
Am Rande des Blumenthals zieht sich durch die Gielsdorfer und Strausberger Heide ein anmutiges Wiesental hin, in dem ein Wässerlein, die ,, Große Babe" geheißen, mühsam seinen Weg sucht nach den Abflußwässern des Gamengrundes zwischen Kessel- und Fängersee. Kurz vor der Mündung, westlich der Babebrücke, über die man nach der Gielsdorfer Mühle gelangt, erhebt sich im Babetal halbinselartig ein Hügel, bestanden mit wenigen Kiefern und Erlen, Hasel- und Dorngebüschen, zwischen denen weißstämmige Birken und dunkle Wacholder aufragen.
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