Heft 
(1927) 36
Seite
57
Einzelbild herunterladen

11

3

e

m

0

et

er

57

Einsicht in Wesen und Geschichte eines Landes. Nach einer kurzen Ein­leitung über die geschichtlichen Grundlagen der mitteleuropäischen Orts­namen, über volksetymologische und sagenhafte Deutungen sowie über Bildungsprinzipien der Ortsnamen folgen im Hauptteil Erklärungen der Ortsnamen, geordnet nach Motivgruppen, in ziemlich bunter Reihen­folge: Dingstätten, allgemeine Siedlungsbezeichnungen, Befestigungen und Warten, Kirchen und Klöster, Punkte der Erdoberfläche( Höhe, Tal, Bo­denarten, Flüsse usw.), besondere Lage( z. B. Himmelsrichtung), Farbe, Vegetation, Tierwelt, Alter, Größe, menschliche Beschäftigungen( Hand­werke u. dergl.), Beziehungen zu höheren Wesen, Zusammensetzungen mit Personen- und Völkernamen, Uebertragungen in Kolonialgebiete.- Die Arbeit ist also nicht eigentlich geschichtlich angelegt, aber ein Hin­weis etwa auf die Arnoldsche Entdeckung der historischen Schichtung der deutschen Ortsnamen wäre doch wohl am Platze gewesen, obwohl sie heute nur noch in abgeänderter Form Geltung beanspruchen kann. Gerade die Einsicht in die allmähliche Wandlung der Ortsnamen in Ver­bindung mit der fortschreitenden Besiedlung ist doch besonders lehrreich. Die Beurteilung der Ortsnamendeutung nach der sprachlichen Seite möchte Referent Berufeneren überlassen. Er kann aber nicht verhehlen, daß ihm vielfach Bedenken aufgestiegen sind, ob Verf. auf sprachlichem Gebiete genügend gerüstet ist. So sind die gleich am Anfang des Haupt­teils mit kühner Sicherheit vorgetragenen Anschauungen über Hundert­schaften und Gaue äußerst fragwürdig oder vielmehr in dieser schema­tischen Form zweifellos unrichtig. Verfasser überschätzt wohl gerade die Bedeutung dieser Motivgruppe( Dingstätten) für die Namengebung einigermaßen und trägt in diesem Zusammenhang recht wunderliche Deutungen vor, so, wenn er das bona in den keltischen oder jedenfalls.. vorgermanischen Ortsnamen Bonn, Ratisbona, Vindobona usw. mit dem deutschen Bann, altfries. Bon zusammenbringt oder Roland von Rogland

Rügeland ableitet( S. 16), oder gar Wernigerode mit dem Garn oder Warn(?), d. h. den Weihebändern, mit denen das Ding umhegt wurde, zusammenbringt. Wernigerode ist vielmehr nach Jacobs zweifellos zu­treffender Erklärung die Rodung der Werninge, d. h. der Leute des Warin, des ersten gewählten Abts von Korvey( 836-856). Die Vorliebe für diese Motivgruppe verleitet überhaupt den Verf. zu äußerst gesuch­ten und völlig verkehrten Erklärungen, so Brügge( in Flandern) als Rüge­stätte( es kommt wahrscheinlich vom nordischen bryggja= Anlegestätte für Schiffe), oder gar Rügen( die Insel) als Rugland, d. h. wieder Ge­richtsstätte. Auf S. 26 hat isl. Reykjavik und wohl noch manches an­dere der dort aufgeführten Wieke mit german. Wich( dessen Verhältnis zum lat. vicus auch m. W. noch durchaus nicht völlig geklärt ist) gar nichts zu tun. Die richtige Erklärung= Rauchbucht steht auf S. 64. Ebenso wunderlich ist Hiddensöe(= nordisch Hedins- ey), das ,, Hütten­Insel" bedeuten soll! Diese paar Beispiele mögen genügen. Man tut dem Verf. vielleicht Unrecht, wenn man an sein Werkchen, das offenbar mehr populär- wissenschaftliche Zwecke verfolgt, einen zu strengen Maßstab