Heft 
(1927) 36
Seite
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Schaffgotsch ein Generalprivilegium für Preußen, aber erst nach zehn Jahren entschloß er sich zur ständigen Niederlassung in dem Staate Friedrichs des Großen. Nach seinem 1768 in Frankfurt a. O. erfolgten Tode erhielt sein Sohn Franz Schuch d. J. das Privilegium. Doch ver­fiel die Bühne bald wieder, vielleicht weil er dem Geschmacke des Publi­kums nicht nur mit Trauerspielen, sondern auch mit Burlesken und Sing­spielen niedrig- komischer Art zu weit entgegenkam und die Wirkung eines Trauerspiels durch ein angehängtes lustiges Nachspiel aufhob. Er starb schon 1771. Es hat den Anschein, als ob er in den letzten Jahren eine andre Bühne in Berlin geleitet hätte, denn schon zwei Jahre vor sei­nem Tode eröffnete das Mitglied der Hofschauspielergesellschaft Fierville, der wohl mit einem an der Kgl. Oper 1741 als Tänzer erwähnten Fierville identisch ist, in dem Garten in der Behrenstraße eine Bühne, die an drei Tagen in der Woche spielte. Auch er mußte nach dreijähriger Wirksam­keit die Bühne aufgeben, die nun ein Graf Czierottin zuerst allein, dann in Gemeinschaft mit la Chavanne fortführte. Daß auch er mit Schwie­rigkeiten zu kämpfen hatte, lag wohl an seinem recht unzeitgemäßen Streben, an der Stätte der Berliner Volksbühne wieder französische Schauspiele einzubürgern. 1773 beklagt er sich darüber, daß er für Saal­miete allein 1300 Taler zu zahlen und dazu ein zahlreiches Ensemble zu unterhalten habe. Dazu kamen allerhand Klatsch und Schikanen, die ihm das Leben verbitterten und zum Rücktritt veranlaßten, Doch scheint er die Bühne nur widerwillig aufgegeben zu haben, denn als nach dem Tode des jüngeren Schuch 1771 der Kgl. Directeur des Spectacles von Arnim die Bühne übernehmen wollte, weigerte sich Fierville, Haus und Theater zu räumen; doch mußte er sie auf Grund eines Kammergerichts­beschlusses an den schon bejahrten, 1703 geborenen Heinrich Gottfried Koch herausgeben, der nun die Leitung übernahm und ihm die Deko­rationen für 1500 Taler abkaufte.

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Die Verdienste der beiden Schuchs, das deutsche Schauspiel zu pflegen, wird man anerkennen müssen. Daß sie zu unliterarischen Durch­schnittsstücken greifen mußten und dadurch anscheinend auch das Ber­liner Publikum befriedigten, ist nicht ihre Schuld allein; denn die große Zeit unserer Literatur stand eben erst in ihrer Morgenröte und hatte noch keines der großen klassischen Stücke an den Berliner Strand gespült

das ist das Verdienst des späteren Döbbelin!, aber Koch war sich doch bewußt, daß die Zeit der trivialen Griechenkomödien mit ihren un­wahren gestelzten Trochäen vorüber war, und daß die Berliner Bevölke­rung nach echter deutscher Kunst verlangte. Er begann seine Tätigkeit mit Lessings Miẞ Sarah Sampson, das 6-8 vollbesuchte Vorstellungen brachte, ein für die Zeit und für Berlin unerhörter Erfolg, da eine ein­malige Wiederholung schon als besonderes Glück bewertet wurde. Diese Aufführung war wie ein leuchtendes Morgenrot am Berliner Theaterhimmel, das jedoch bald wieder von dunklen Wolken überschattet wurde. Wenn auch Koch seine Stücke mit größerem Verständnis auswählte als seine Vorgänger, so konnte er doch den Geschmack des Publikums nicht mit