Heft 
(1927) 36
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einem Male wenden. Auch waren die bekannten Stücke unserer Bühnen­heroen noch nicht geschrieben oder wenigstens noch nicht genügend bekannt, um durch sie allein das Theaterbedürfnis zu decken. Koch mußte wieder zu den üblichen rührseligen Dramen greifen, die den Berliner ebenso packten wie später die Rittertragödien der Biedermeierzeit. Eine französische Aufführung von Alzire und Namin, die Koch 1771 auf beson­deren Wunsch der Hofbeamten gratis gab, blieb zwar vereinzelt, zeugt aber von dem Vertrauen, das man dem Theaterleiter entgegenbrachte. Es mag indessen ein Zeugnis für den Geschmack und die Seelenstimmung der Berliner Bevölkerung sein, die Titel einiger der Stücke zu erfahren, die auf der Kochschen Bühne in der Behrenstraße aufgeführt wurden: Armut und Tugend von Weiße, einem damals sehr angesehenen, heute vergessenen Bühnendichter. Weinen und Schluchzen er­zielte um so höhere Einnahmen, als sie Koch zur Milderung der damals in Deutschland herrschenden Hungersnot bestimmt hatte. Später erweiterte er das Repertoire durch die Aufnahme von Singspielen.

Koch starb am 3. Juni 1775. Sein Zeitgenosse, der Historiker des Berliner Theaterwesens, Plümicke, rühmt ihn als Menschen und Künst­ler. Es zeugt von dem ihm entgegengebrachten Vertrauen, daß bei der Auf­führung von Miß Sarah Sampson der damals in Berlin hochgeschätzte Professor und Dichter Karl Wilhelm Ramler( 1725-1798), der Freund Ewalds von Kleist und Lessings, einen schwunghaften Prolog dichtete. Derselbe Ramler verfaßte nach dem Tode Kochs auch auf den schmerzlich betrauerten Direktor einen Prolog, der unter lautlosem Ergriffensein der Zuhörer an der Stätte seines Wirkens vorgetragen wurde. Es heißt in ihm:

Laßt seinen Namen nicht ersterben! Zählet ihr Die Roscier) der Neuern, rühmet ihr die Kunst Der Gallier und Briten: 0, so schämet euch

Des deutschen Künstlers nicht! Nennt noch den guten Greis, Der mit dem wachsenden Geschmack der Deutschen wuchs. Nennt noch den Namen, der einst den Essex, den August

So treu wie den Crispin und Harpagon gemalt.

Der ohne Lust, sich zu bereichern, ohne Hang Zur weichen Ueppigkeit, zur stolzen Modepracht

Mit Freuden alles seiner Bühne opferte, Gesundheit, Leben, alles. Nichts bleibt ihm forthin, Als noch der Name, den ihr selbst ihm gönnen wollt. Und eine, die um ihn bis an ihr Ende weint.

Ramler meint damit die Witwe, die ihrem Gatten eine wohlver­stehende, treue Gehilfin war, und die die Kochsche Gesellschaft bis zum 15. April 1771 betreute. Koch war wirklich eine selten sympathische Er­scheinung, deren Andenken wir im heutigen Berlin noch treu bewahren, und die wir immer wieder unseren Theaterleitern als Vorbild entgegen­stellen sollten. Nicht nur der künstlerischen Auswahl seiner Schauspieler

4) Berühmte römische Schauspielerfamilie um 100 v. Chr.

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