Heft 
(1927) 36
Seite
78
Einzelbild herunterladen

28

78

uns aber eine Vorstellung gibt von dem gewaltigen Einfluß der Bühne in der Behrenstraße auf die Bevölkerung Berlins.

Wie Koch legte auch Döbbelin einen großen Wert auf gute Schau­spieler. Dauernd berief er erste Kräfte nach Berlin und ließ sich in die­sem Bestreben auch durch finanzielle Schwierigkeiten nicht beirren. Schauspieler wie Fleck, Christ, Unzelmann, Madame Schick u. a., die noch heute nicht vergessen sind, zog Döbbelin an seine räumlich bescheidene Bühne, die jetzt regelmäßig an allen Wochentagen geöffnet war. Als er sie 1789 an den Hof abtrat, wurde sie zur Grundlage des noch heute be­stehenden Hoftheaters. Er geriet durch diese künstlerische Leitung wohl oft in Zahlungsschwierigkeiten. Nach Briefen, die der Kriegsrat Bertram 1783 an F. L. Meyer richtete, hatten einzelne seiner Bühnenmitglieder 500 bis 1000 Taler zu fordern 5). Was bedeutete dies gegenüber den großen künstlerischen Erfolgen, die Goethe, Lessing, Schiller, Shakespeare nicht nur in Berlin, nein, in ganz Deutschland heimisch machten! Als 1780 das fünfjährige Jubiläum der Döbbelinschen Bühne feierlich begangen wurde, dichtete der Schauspieler Plümicke, der Geschichtsschreiber des Berliner Theaterwesens, den Prolog. Im nächsten Jahre fand, wie schon gesagt, eine Trauervorstellung zum Andenken an Lessing statt, der am 15. Fe­bruar gestorben war, und der den Berlinern durch seinen hiesigen Aufent­halt und durch das Wirken Kochs und Döbbelins kein Unbekannter mehr war. Auf der Bühne war das Grabmal mit dem Bildnis Lessings er­richtet. An den Seiten standen Schauspieler in Trauerkleidern; hinter der Bühne stand die Musik. Mademoiselle Döbbelin sprach den von Prof. Engel verfaßten Trauermonolog, an den sich die Aufführung von Emilia Galotti anschloß. Sie hatte einen nachhaltigen Eindruck gemacht. ,, Allgemeine Rührung und unzählige Tränen," konstatiert der erwähnte Plümicke.

Döbbelin hatte die Bühne von den Burlesken und albernen gesell­schaftlichen Stücken gereinigt, doch stand er selbst noch im Banne einer übertreibenden, verweichlichten Kunst. Trotzdem hatte sein Wirken in Berlin vorbildlich gefruchtet schon zu einer Zeit, in der er noch nicht die Kochsche Bühne übernommen hatte. Als er noch in dem Bergerschen Hause wirkte und wegen der Miete mit dem Besitzer in Zwistigkeiten geriet, suchte ihn dieser dadurch zu schädigen, daß er sich selbst eine her­vorragende Truppe aus Hamburg kommen ließ. So wirkte er auf die Konkurrenz ein. Man muß es bedauern, daß seine Bestrebungen nicht die Unterstützung des Königs fanden, obwohl der Ruf seiner Tüchtigkeit weit über Deutschland hinausgedrungen war. Verschiedene polnische Magnaten beriefen ihn 1779 nach Warschau, um dort eine deutsche Bühne zu errichten. Sie kam zwar infolge der Treibereien der italienischen Oper nicht zustande, doch beweist dieser Ruf die hohe Achtung, die Döb­belin als Theaterleiter genoß. Freilich ist es ihm nicht leicht geworden, in dem ,, kleinen und überdies höchst unbequemen Theater"( Plümicke)

5) Bär II, S. 235.

sei

wi

ge

ᎠᎴ

Be

Ga

fal

Ch

WO

ha

We

ric

bis

fri

de

Ga

ve

mi

las

Fr

Be

ge

te

,, b

W

er

Le

ni

W

17

lic

Be da

ha

ers

äu

Ve