Heft 
(1927) 36
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seine Pläne durchzuführen. Er hat es aber immerhin erreicht, in regel­mäßigen Vorstellungen, besonders Trauerspielen, auf das Publikum zu wirken, ohne den Ruf der Bühne durch den Wechsel mit Operetten zu gefährden.

Die Bühne scheint nach dem Verkauf an den Hof und dem Abtreten Döbbelins eingegangen zu sein. Die Grundstücke befanden sich 1796 im Besitze des Physikus des Königs, Chevalier Pinetti von Merci. Ob das Gartenlokal weiter bestand, ist unsicher, aber unwahrscheinlich. Jeden­falls war der Besitzer der Häuser in der Behrenstraße, der Cafétier Charrier, 1772 auch der Eigentümer der Häuser Unter den Linden. Er wollte in diesem Jahre in ,, seinem von Sr. Majestät neu erbauten Hause er kann damit nur das mit Hilfe Friedrich Wilhelms I. erbaute Frei­haus) meinen auf dem Hofe zwei Seitengebäude von je drei Stock­werk, 89 m lang und 18 m tief, ferner ein einstöckiges Quergebäude er­richten lassen und erhielt auch die Genehmigung dazu. Die Seitenge­bäude, die den großen Garten west- und östlich flankierten, standen noch bis zum Abbruch vor 35 Jahren. Das einstöckige Gebäude ist schon früher wieder verschwunden; es dürfte in dem Garten von Nr. 17 gestan­den haben.

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Ein interessantes Ereignis wird aus dem Jahre 1776 gemeldet. Der Gastwirt Charrier wollte..in seinem Haus- Garten hinter dem Hause eine verdeckte Kegelbahn anlegen" und dabei seinen eigenen Garten- Zaun mit Bretter beschlagen und im Herbst durch Fachwerk ausmauern lassen". Es war das der Zaun, der das Grundstück von dem 1760 von Frau von Schweinichen erworbenen, hinter Nr. 18 gelegenen Grundstück Behrenstraße 56 trennte. Diese erhob dagegen Einspruch ,,, weil ihr daran gemachter Wein bey der ietzigen Jahreszeit( Mai 1776) verderben könnte". Doch ging die Polizei darauf nicht ein; die Erlaubnis wurde er­teilt, nachdem der Zimmermeister Adam versprochen hatte, die Arbeit ,, behutsam" zu vollführen.

Der Sohn der Frau von Schweinichen, Kammer- Assessor Georg Wilhelm von Schweinichen, verkaufte das Frei- Haus, das er also auch erworben hatte, 1795 an den Markgräflich Schwedtschen Bau- Inspektor Leitner. Mit dem markgräflichen Hause muß auch die Mutter Schwei­nichens in Beziehungen gestanden haben, denn der Markgraf Friedrich Wilhelm schenkte ihr 1766 ein am Paradeplatz gelegenes Haus, das sie 1795 für 3233 Taler verkaufte, und das Veranlassung für manche gericht­liche Austragung wurde.

Die Grundstücke Unter den Linden 17/18 waren inzwischen in den Besitz der Toussaintschen Erben gelangt, die sie 1781 an den General- Ren­danten Sapté verkauften. Dieser Mann erinnert uns an die von dem

6) Dieses war, obwohl das Freihausprivilegium nur auf Nr. 17 ruhte, ein Doppel­haus, das einheitlich gebaut war und früher auch unter einer gemeinsamen Nummer erschien. Erst mit der Bezifferung der Häuser um 1800 trat die Doppelnatur auch äußerlich schärfer hervor, während die Einheit durch die bis heute noch bestehende Vereinigung in einer Hand bewahrt blieb.