Heft 
(1927) 36
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aufstrebende Konjunktur nach dem Kriege zu größeren Bauunternehmun­gen ausnutzen zu können. Der Krach von 1873 machte auch diesen Hoft­nungen ein Ende. Ohne besondere Initiative zu entwickeln, lebte die Gesellschaft dahin, vermietete die Räumlichkeiten, so gut es ging, und war offenbar sehr zufrieden, als 1891 ein Konsortium den Häuserkomplex ein­schließlich der Grundstücke in der Behrenstraße erwarb, um an seiner Stelle ein Theater mit einer Passage zu errichten. Das erstere- das Metropoltheater besteht noch heute; die Passage ist freilich gegen die Lindenpassage nur ein schmaler Durchgang. Auch die A. E. G. hatte ein Auge auf die Grundstücke geworfen; doch errichtete sie schließlich ihre Hauptstätte am Schiffbauerdamm.

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Infolge der neueren Verhältnisse war auch die Freihausqualität von dem Magistrat schon 1872 für 862 Taler 2 Sgr. 8 Pfg. abgelöst worden. Fortan hörte die Befreiung von der Kommunalsteuer und der Einquar­tierungspflicht, die ja sowieso schon in Abgang gekommen war, und der Realsublevationssteuer auf. Die letzte historische Erinnerung aus der Zeit Montolieus war damit verschwunden.

Hernach ist das Haus 17/18 noch einige Male in der Oeffentlichkeit erwähnt worden. 1875 mietete der Wiener Restaurateur Landvoigt den Garten und einen Teil der Hochparterreräume für den Betrieb einer grö­Beren Gastwirtschaft. Hier, unter den alten Bäumen, fand sich einige Jahre lang der bessere Bürgerstand Berlins zusammen, besonders ange­zogen durch die Abendkonzerte, die Landvoigt im Sommer veranstaltete. Mehrere Jahre hintereinander traten hier die Zillertaler Volkssänger auf - ein Ereignis für das damalige Berlin. Landvoigt, der verhältnismäßig früh starb, ging schon nach einigen Jahren nach Wien zurück. Sein Nach­folger wurde der Restaurateur Divischofsky, der den guten Ruf des Lo­kals aufrecht erhielt, aber durch einen peinlichen Prozeß gezwungen wurde, seinen Wirkungskreis nach Paris zu verlegen. Nach seinem Fortgange kränkelte der Betrieb und kam dauernd nicht wieder in die Höhe.

1878 kam das Haus in unliebsame Erinnerung durch das Attentat, das der Dr. Nobiling auf den greisen Kaiser Wilhelm I. verübte. Nach­dem sich die Bewegung über das glücklich vereitelte Attentat Hödels am 11. Mai gelegt hatte, fuhr der Kaiser am Nachmittag des 2. Juni ahnungs­los den südlichen Damm der Linden entlang zum Tiergarten, wie es seine Gewohnheit war. Freundlich erwiderte er die ehrerbietigen Grüße und Huldigungen der zahlreichen Spaziergänger, als aus einem Fenster des zweiten Stockwerks Nr. 18 ein Schuß fiel und den Kaiser wenn auch nur leicht verletzte. Nur wenige der Schrotkugeln hatten ihn ge­troffen; die meisten waren in den steingepflasterten Damm und in den zwischen dem schmalen und breiten Fahrdamm stehenden Lindenbaum gegangen, der noch lange von der Bevölkerung aufgesucht wurde, um sich Splitter zum Andenken auszuschneiden, bis ein Schutzgitter den Baum vor weiteren Beschädigungen schützte. Der Kaiser wurde ins Schloß zurückgebracht, während das Publikum ihm voran der Ecke

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