Heft 
(1927) 36
Seite
93
Einzelbild herunterladen

r

1

1

T

e

93

unerschütterter Erfolge als 91jähriger Greis die Augen mit der Gewißheit schloß, daß der Erbe der Kaiserkrone, der kraftvoll strahlende Fried­rich III., ihm bald folgen würde in die Gefilde der Seligen.

Wenn Berlin sich schmückte, um einen fremden Potentaten gast­freundlich zu begrüßen oder seines Kaisers Geburtstag zu feiern oder das Fest eines Großen, Humboldts, Bismarcks, Goethes, zu begehen, dann strahlte auch das alte Patrizierhaus im hellsten Schmucke, dann waren seine Bewohner die ersten, um an der freudigen Volksstimmung teilzu­nehmen. Und oft auch, wenn die Jugend des Hauses auf dem breiten Mittelweg spielte, sah sie den Fürsten Bismarck, den Feldmarschall Moltke oder gar den Papa Wrangel mit seinen stets Dreier spendenden offenen Händen.

Alles hat seine Zeit; vieles hat sich gewandelt. Zwei Jahrhunderte sind an dem alten Hause vorübergezogen mit ihrem Sein und mit ihrem Schein. Auf dem kärglichen Sande des Gutes Monbijou hatten sich die ersten Häuser der späteren Via triumphalis Preußens erhoben. Einzelne haben vielleicht noch gesehen, wie die Kurfürstin Dorothea persönlich die ersten Linden pflanzte; andere entstanden erst, als Preußens zweiter König, der vielfach verkannte Friedrich Wilhelm I., seine Hofleute zum Bau ihrer stattlichen Häuser anregte. Wir sehen im Geiste den franzö­sischen Edelmann die Pläne seines Palastes mit seinem Architekten be­sprechen; wir schauen verstohlen zu, wie sich die Hofgesellschaft in den großen Gärten kichernd erging, oder wie in leisem Geflüster von dem Fluchtplan des Kronprinzen getuschelt wurde. Und dann sehen wir die Bevölkerung Berlins in das Theater in der Behrenstraße eilen, um hier den ersten Offenbarungen des deutschen Schauspiels zu lauschen; wir sehen den alternden Lessing mit seinem Freunde Ramler noch die letzter: Vorkehrungen zur Aufführung der Emilie Galotti treffen. Weiter ziehen die Schatten der französischen Hugenotten vorüber, die in Berlin eine neue Heimat fanden, und die wir im 18. Jahrhundert als Besitzer der meisten Lindenhäuser finden. Und dann steigt auch der Schatten des Urbildes der Barmat, der große Spekulant und Gründer Strousberg, herauf in einer Wolke geschäftigen Staubes, der sich herabsenkt und ihn, den Eisenbahn­könig, begräbt wie andere, die dem Golde nachstrebten, dem Glanze ohne Arbeit.

Wehmütig folgen wir der Erinnerung, die uns auch die Joachime zeigt, wie sie mit Horn und Hussah auf dem Sandwege in den grünen Wald vorüberreiten, die den großen Fridericus Rex im Wagen nach Char­lottenburg fahren oder die eine finstere, schweigende Menge sieht, die bang dem Einzuge des Korsen nachstarrt; aber sie zeigt uns auch, wie die Heere aus drei siegreichen Kriegen heimkehrten und ihren Fürsten huldigten, wie Freud' und Leid Preußens auch den Bewohnern der Häuser

zuteil wurde.

Heute sind die Zeugen einer großen Vergangenheit mit ihren stolzen Ereignissen, ihren harmonischen Barockformen der Zeit, der kalten, un­erbittlichen, egoistischen Zeit zum Opfer gefallen, der große Palast mit