BRANDENBURGIA
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Die„ Inseln" Berlin und Cölln".
Ein siedlungsarchäologischer Beitrag zur Frage der Gründung Berlins. Von Dr. Albert Kiekebusch.
Eines der dunkelsten und schwierigsten Probleme der Berliner Geschichte ist die Frage nach der ältesten Besiedlung der beiden Schwesterstädte, aus denen die heutige Großstadt erwachsen ist. Schriftriche Urkunden versagen ganz und gar. Die beiden Ortsnamen„ Berlin" und„, Cölln" haben so mannigfache Deutungen über sich ergehen lassen müssen, daß vorläufig noch mehr Verwirrung als Klarheit herrscht, und die in einigermaßen regelmäßigen Zwischenräumen von Gelehrten und Dilettanten gelieferten„ Erklärungen“ lassen auch nicht gerade die Hoffnung keimen, daß wir in absehbarer Zeit wissen werden, was der Name ,, Berlin" oder der Name ,, Cölln" bedeutet. Aus sprachwissenschaftlichen Quellen sichere Schlüsse über die Gründung der beiden Städte zu der fruchtziehen, dürfen wir also vorläufig kaum erwarten. Schon barste, geschätzteste und zugleich in der Tat bedeutendste Geschichtsschreiber Berlins, Fidicin, hatte von allen ihm bekannten Deutungen der beiden Ortsnamen keine bessere Meinung. Wenn er aber der Ansicht ist, daß alles, was vor der durch schriftliche Urkunden bezeugten Periode liegt ,,, nur Sache des Glauben sei" und stets den Einwand zulasse ,,, daß es auch anders gewesen sein könne", so hat er damit nicht die Grenze menschlichen Wissens überhaupt, sondern nur die der Urteilskraft seiner Zeit scharf gekennzeichnet. Auch er hat übersehen oder nicht daran geglaubt, daß es außer den schriftlichen noch andere Urkunden geben könnte, was übrigens um so verwunderlicher ist, als er selber in einem Falle auf anderem Wege in die verschlossenen Geheimnisse Berliner Vergangenheit zu dringen suchte. Fidicins Ansehen und seine Kritik des Klödenschen Buches über ,, Entstehung und Alter der Städte Berlin und Cölln" haben dazu beigetragen, daß man auch später nicht selten die Augen vor offen zutage tretenden Tatsachen und Beobachtungen verschloß. Wenn ich es unternehme, zur Gründungsgeschichte Berlins einen Beitrag zu liefern, so geschieht das in der Absicht, auch hier wieder auf die hohe Bedeutung einer zweiten Quelle aufmerksam zu machen, die uns bis jetzt zwar auch noch nicht alle Rätsel der berlinischen Vorzeit entschleiern kann, die uns aber die Wege zu neuer Erkenntnis weist und uns und das ist der große Fortschritt gegenüber der Fidicinschen Anschauung unter Anwendung streng wissenschaftlicher Kritik die Möglichkeit gibt, genau wie bei schrift¹) Vortrag, gehalten in der Brandenburgiasitzung im Märk. Mus. 10. März 1926.
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