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essant, weil sie uns das Ringen der geologischen Wissenschaft um die Mitte und das Ende der siebziger Jahre, also unmittelbar nach dem Auftreten Torells, widerspiegeln.
Wenn Lossen schon gesehen hatte, daß die ältesten Kirchen Berlins auf Sandhügeln liegen, so fühlte er sich als„ gelehrigen Schüler der Geschichte", ohne auch nur im entferntesten zu ahnen, daß er damit der Geschichtsforschung neue Richtlinien gab, die allerdings unbeachtet blieben und vergessen wurden, weil der Geschichtsforscher an dem Geologen und dieser an dem Geschichtsforscher vorbeisah. Daß Lossen in historischen Dingen ganz unkritisch war, verleitete ihn leider dazu, dem Plane Schmidts von 1415 die Bedeutung einer Urkunde beizulegen. und ihn für seine Karte zu benutzen. Dieser Teil der Lossenschen Karte muß mit Vorsicht und Mißtrauen behandelt werden. Der Teil, der diesem Mißtrauen verfällt, ist allerdings so geringfügig, daß er für die Bewertung der ganzen Karte kaum in Betracht kommt. Dabei möchte ich nicht unterlassen, festzustellen, daß es vor wenigen Tagen möglich war, beim Bau des Abflußkanals, der jetzt( 1926) über den Schloßplatz in die Spree geführt wird, die Breite des ehemaligen Spreebettes auf dieser Seite zu messen. Der moorige Boden zog sich nur 5-6 Meter breit nach dem Schloßplatze zu. Das entspräche fast genau der Angabe auf dem Schmidtschen Plane. Ueber einige andere Mängel der Lossenschen Karte wird einmal an anderer Stelle zu reden sein. Alle diese Mängel wären aber längst beseitigt, wenn die Folgezeit dauernd an der Verbesserung der Lossenschen Karte gearbeitet hätte. Das ist leider verabsäumt worden.
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Nach dem in jeder Beziehung glänzenden Anfang der Erforschung des Berliner Untergrundes ist die Weiterarbeit vernachlässigt worden; sie ist genau wie zahlreiche ältere Wasserläufe des Berliner Weichbildes, versandet". Daß man in Einzelfällen auch noch genaue Untersuchungen anstellte, möge aus Kaunhowens prächtiger Darstellung des Berliner Bodens 1911 ersehen werden.
Wie groß wäre der Nutzen gewesen, wenn man, wie einst bei den Vorbereitungsarbeiten zur Kanalisation, weiter auch an die Wissenschaft gedacht, alle Bohrproben untersucht, alle Protokolle aufgehoben, veröffentlicht und verarbeitet hätte. Nicht nur die Wissenschaft hätte Nutzen davon gehabt. Auch die Technik hätte gewonnen. Wir würden den Boden Berlins heute bis in alle Einzelheiten hinein kennen, und es wäre nicht nötig, daß bei jeder Neuanlage umfangreiche Untersuchungen angestellt würden über Dinge, die längst bekannt wären. Also auch Sparsamkeitsrücksichten sollten uns bestimmen, in der Zukunft wenigstens sorgsamer zu sein und alle Beobachtungen zu buchen, wie es in den siebziger
Jahren geschah.")
6) Mein Kollege Dr. Hilzheimer sammelt alle ihm zugänglichen Bohrproben.