Heft 
(1927) 36
Seite
108
Einzelbild herunterladen

28

108

b Auf diese Weise wird es aber auch gelingen, Probleme der älte­sten Berliner Stadtgeschichte zu lösen, deren endgültige Entscheidung die meisten Geschichtsschreiber schon als unmöglich aufgegeben haben. Gerade auch die Beobachtungen des Untergrundes von Berlin in den ersten Kriegsjahren führten uns diesem Ziele näher. Beim Bau der Untergrundbahnstrecken ist man nun bereits an verschiedenen Stellen auf die im Boden verborgenen Reste der älteren Berliner Befestigungs­werke gestoßen, deren Bauweise nicht in allen Stücken bekannt war. Die Festungsanlagen des Großen Kurfürsten konnten in der Gruner­straße und vor dem Stralauer Tore beobachtet werden, und an der letz­teren Stelle lernten wir im August 1915 Teile der frühmittelalterlichen Ummauerung aus dem 13. Jahrhundert kennen. Immer aber mußte die Erfahrung gemacht werden, daß schon viel zerstört war, ehe eingegrif­fen werden konnte. Es wird für die Zukunft unbedingt erforderlich sein, daß wenigstens die leitenden Architekten und Ingenieure mit den Ele­menten wissenschaftlicher Bauuntersuchungen vertraut sind, so daß sie Spuren und nun gar umfangreiche Reste bedeutsamer Altertümer im Boden rechtzeitig erkennen können. Unumgänglich notwendig ist das schon wegen der Forderungen des Ausgrabungsgesetzes vom 26. März 1914.

Die älteste Befestigung Berlins hängt natürlich mit der, Grün­dung" und der Stadtwerdung" aufs engste zusammen. Ueber den Um­fang der ältesten Umwehrung gehen die Meinungen der einzelnen For­scher noch recht weit auseinander. Ich bin überzeugt, daß für beide Stadtteile, für Cölln sowohl wie für Berlin, auch in allerältester Zeit nur eine Ummauerung des ganzen äußeren Umfanges in Betracht kommen kann. Die heutige Neue Friedrichstraße folgt- das ist allgemein bekannt dem Zuge der mittelalterlichen Mauer; dieser aber war bedingt durch den Verlauf des Außenrandes der Insel, welche als ,, der Berlin" bezeichnet wurde. Der Graben als ,, der

war ursprüng­

der

der..Schleusengraben" Niederung, in welcher Damit wäre dann eines

lich ein versandeter und teilweise versumpfter Spreearm, die Berliner Insel genau SO umzog, wie seit der Urzeit her die Cöllner, d. h. die der Schleusengraben später ausgehoben wurde. der wichtigsten Probleme der Gründung" unserer Riesenstadt gelöst. und zwar bis zu einem gewissen Grade sicher gelöst. Denn die Tat­sachen, die uns der Boden aus alter Zeit überliefert hat, sind eben Tat­sachen, nicht Hypothesen, und diese Tatsachen reden deutlicher als sprachliche Erklärungen, ja auch als alle Urkunden, denn sie sind nie­mals wie diese so oft subjektiv, sondern stets objektiv, also unan­tastbar. Mit ihnen gewinnen wir zahlreiche neue, beredte und zuver­lässige Zeugen für die Art der ,, Gründung Berlins".

-

-

Nun hat unser Vorstandsmitglied Prof. Friedrich Solger in den ,, Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins" 1925( Jahrg. 42, S. 40-45) ,, Eine geologische Wanderung durch Berlin" veröffentlicht. Wir daß wissen, die sich Solgers Anschauungen über

Ent­

g

H

1